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Zahnmedizin
Prophylaxe


Prophylaxe 2020

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Innerhalb der modernen Zahnheilkunde nimmt die Prophylaxe bzw. Prävention eine Sonderstellung ein. Ohne Prophylaxe ist eine moderne Zahnheilkunde nicht möglich. Doch wie sieht es mit der Digitalisierung im Bereich der Prophylaxe aus? Wie groß ist der digitale Einfluss in der „sprechenden Zahnheilkunde“? Was ist heute schon Realität? Was bringt die Zukunft? Brauchen wir eine digitale Zahnmedizin 4.0 oder eine Prophylaxe 4.0?

Das Gesundheitswesen macht eine digitale Revolution durch. Viele Praxen sehen in der Digitalisierung nicht nur Herausforderungen, sondern gleichzeitig große Chancen. Für die meisten Praxen ist eine Verwaltung ohne Digitalisierung nicht mehr vorstellbar (Terminsteuerung, Patientendokumentation, Qualitätsmanagement, Abrechnung, Betriebswirtschaft, Lagerverwaltung, digitale Arbeitszeiterfassung usw.). Auch in der heute immer noch stark von Technik geprägten restaurativen Zahnmedizin macht die Digitalisierung immer größere Fortschritte (CAD/CAM-Systeme, digitale Abformung, digitales Röntgen bis zu robotergesteuerten Implantaten etc.).

Modernes Ablaufprotokoll der Prophylaxe/Prävention

Zahnmedizinische Prophylaxe hat sich als Mittelpunkt einer modernen Zahnheilkunde etabliert und wird es auch in der Zukunft sein. Das wissen wir spätestens seit den Arbeiten von Axelsson und Lindhe: Karies ist vermeidbar, Gingivitis (restitutio ad integrum) ist umkehrbar, Parodontitis ist kontrollierbar. Die Strategie der Prävention/Prophylaxe beruht nach wie vor auf dem Zwei-Säulen-Modell von Axelsson und Lindhe: Im Mittelpunkt steht nach wie vor die regelmäßige mechanische Entfernung von Biofilm durch häusliche und professionelle Maßnahmen. Noch besser als der prophylaktische ist der präventive Ansatz: Die häufigsten Erkrankungen der Mundhöhle sind mit einem stringenten System vermeidbar.

Ein modernes Ablaufprotokoll sowohl in der Prophylaxe (Erhaltungstherapie) wie auch der Prävention ist die „Guided Biofilm-Therapy“ (EMS, Nyon/München), die eine an der Wissenschaft und dem technischen Fortschritt orientierte Fortschreibung der klassischen Recall-Stunde von Axelsson und Lindhe ist. Dieses stringente, systematische, standardisierte Ablaufprotokoll enthält 8 Module, die auf die Möglichkeit der Digitalisierung hinterfragt werden (Abb. 1):

  • Abb. 1: Die acht Module der „Guided Biofilm Therapy“ wurden auf die Möglichkeit der Digitalisierung hinterfragt.

  • Abb. 1: Die acht Module der „Guided Biofilm Therapy“ wurden auf die Möglichkeit der Digitalisierung hinterfragt.

  1. Anamnese und Befunde erheben und dokumentieren
  2. Biofilm durch Anfärben sichtbar machen und Plaque-Index dokumentieren
  3. Information, Instruktion und Motivation zur häuslichen Mundhygiene
  4. gezielte Biofilmentfernung mit Airflow/Plus Pulver supragingival und subgingival bis 4 mm
  5. gezielte Biofilmentfernung mit Perioflow/Plus Pulver subgingival ab 4-9 mm
  6. gezielte Entfernung von supra- und subgingivalem Zahnstein mit Piezon-Ultraschall
  7. Qualitätskontrolle einschließlich einer abschließenden Diagnostik durch den Zahnarzt
  8. individuellen, risikoorientierten Recall-Termin vereinbaren.

Digitalisierung in der Prophylaxe

Modul 1: Anamnese und Befunde erheben und dokumentieren

Alle Verwaltungsprogramme haben heute auch Programme zur Anamnese bzw. Wiederholungsanamnese und Befund-Erhebung sowie Dokumentation der für die Prophylaxe notwendigen Daten (PA, Karies, Erosionen). Es ist mit den meisten Systemen möglich, die Befunde über die Zeit zu vergleichen.

Neben den Verwaltungsprogrammen gibt es spezielle Prophylaxe-Programme. Mit ihnen ist es möglich, eine komplette Recall-Sitzung inklusive aller Befunde und Auswertungen abzubilden (z. B. ParoStatus.de, pa-konzepte.de, www.parodontalstatus.ch). Die Programme sind so programmiert, dass sie über die Schnittstellen mit dem Hauptprogramm verknüpft werden können. Alle Befunde können aus dem Hauptprogramm übernehmen werden. Mit diesen Programmen kann ein vollständiger Befund einschließlich Dokumentation mit allen parodontalen Parametern (Empfehlungen zur häuslichen Mundhygiene, Gingivaverlauf, Sondierungstiefe, Kombination Gingivaverlauf/Sondierungstiefe, Blutung/BOP, Zahnbeweglichkeit, Furkationen, Plaque-Befund, fehlende Zähne usw.) komfortabel und zeitsparend durchgeführt werden (z.B. mit Sprachsteuerung).

Alle Programme, die bisher auf dem Markt sind, sind stark parodontal orientiert. Programme, die Karies- und Erosionsrisikoprofile aufzeigen, sind in den oben erwähnten speziellen Programmen, wenn überhaupt, nur schwach repräsentiert. In Zukunft sollte es möglich sein, Kariesrisikoprogramme, wie beispielweise Dentodine, Cariogram, Kriterien der Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege (DAJ), die Berner Karieswaage oder International Caries Detection and Assessment System (ICDAS) in bestehende parodontale Prophylaxe-Software zu integrieren. Dies müsste ebenfalls für das BEWE-(Basic Erosive Wear Examination) Diagnose-System der Erosionen möglich sein.

Für die digitale Kariesdiagnostik stehen bereits Hilfsmittel, wie VistaCam (Dürr Dental), DIAGNOdent und DIAGNOcam (KaVo Dental) zur Verfügung.

Modul 2: Biofilm durch Anfärben sichtbar machen und Plaque-Index dokumentieren

Es steht heute außer Frage, dass Biofilm sichtbar gemacht werden muss. Nur so ist eine exakte Plaque-Diagnose möglich. Anfärben ermöglicht auch eine bessere Darstellung der patientenindividuellen Schwachstellen der häuslichen Zahnreinigung und führt zu einer besseren Motivation bei der häuslichen Zahnreinigung. Auch der Behandler kann Biofilm viel besser, gezielter und Zahnsubstanz schonender entfernen, wenn Biofilm durch Anfärben sichtbar gemacht wird.

Bisher wird Biofilm überwiegend durch Plaque Relevatoren (Färbemittel) sichtbar gemacht und manuell befundet. In Zukunft werden Systeme für die Erfassung von Plaque-Indizes, die mit quantitativer lichtinduzierter Fluoreszenz (QLF) arbeiten und die Plaque-Werte mit digitalen Laser-Kameras aufzeichnen, zu besseren und vergleichbareren Befunden führen.

Modul 3: Information, Instruktion und Motivation zur häuslichen Mundhygiene

Ein großes Problem der modernen Prophylaxe ist weiterhin die patientenindividuelle Information, Instruktion und Motivation (dauerhafte Mitarbeit) zur häuslichen Mundhygiene. Nicht nur in der Allgemeinmedizin (Fitness-Apps, Ernährungsprotokolle, Gesundheitstagebücher usw.) auch in der Zahnmedizin sind Gesundheits-Apps (Zahnputz-Apps), wie z. B. Odol-med 3, Disney Magic, Timer, Philips App, Oral-B App usw. modern. Alle Apps zielen darauf ab, das Wissen und damit das Lernen zu verbessern. Kinder-Apps wollen durch Unterhaltung die Motivation zur Zahnreinigung erhöhen. Die Oral-B-App dient als Beispiel für eine kostenlose Zahnputz-App für Erwachsene. Die App analysiert (Dauer, Druck und Systematik der Zahnreinigung) und optimiert das Zahnputzverhalten fortlaufend. Die Ergebnisse können wöchentlich oder monatlich zusammengefasst werden. Die App erkennt Putzprobleme und erstellt personalisierte Programme zur Verbesserung der Zahnreinigung. Auch hat die App ein Belohnungssystem (Punkte sammeln). Die Werte der App können im Recall ausgewertet werden, zur patientenindividuellen Verbesserung des Mundhygieneverhaltens herangezogen und mit dem personalisierten Programm verglichen werden.

Auch digitale Lernprogramme (z. B. YouTube) für die richtige Anwendung der Zahnbürsten (Zahnbürste, Putztechnik, Zeitdauer, Systematik, Interdentalraum-Reinigung, Fluoride usw.) können die patientenindividuellen Empfehlungen der Prophylaxe-Mitarbeiter unterstützen. Darüber hinaus sind in Zukunft auch praxisindividuelle, digitale Sprechstunden und Patienteninformationssysteme zu allen Themen der Prävention und Prophylaxe denkbar.

Module 4-6

  • Abb. 2: Vergleich von statischer und dynamischer Leistungsanpassung.

  • Abb. 2: Vergleich von statischer und dynamischer Leistungsanpassung.
Auch bei den Hilfsmitteln zum modernen Biofilmmanagement spielt der technische Fortschritt eine große Rolle. Als Beispiel wird hier die intelligente PIEZON® NO PAIN-Technologie angeführt (Abb. 2). Die PIEZON® NO PAIN Ultraschalltechnologie bietet den optimalen Kompromiss zwischen Behandlungseffizienz und Patientenkomfort. Dies erfolgt dank einer dynamischen Leistungsregulierung. Es wird der Widerstand von Biofilm oder Zahnstein an der Instrumenten-Spitze gemessen. Entsprechend dem Widerstand wird automatisch nur mit der Ultraschallleistung gearbeitet, die notwendig ist, um eine perfekte Reinigung durchzuführen. Mit dieser Technologie ist es möglich, sehr Substanz schonend zu arbeiten.

Modul 7: Qualitätskontrolle einschließlich einer abschließenden Diagnostik durch den Zahnarzt

Entsprechend der gesetzlichen Vorgaben (Delegationsrahmen) muss der Zahnarzt eine zielgerichtete Anordnung zur Delegation vorgeben (QM mit schriftlichen Protokollen) und eine ordnungsgemäße Aufsicht durchführen. Das Personal muss entsprechend der Aufgaben, die delegiert wurden, qualifiziert sein. Die Qualität der durchgeführten Prophylaxe hängt stark vom Ausbildungsstand bzw. der Qualifikation der Prophylaxe-Mitarbeiter ab. Neben der klassischen Fortbildung bieten digitale Fortbildungen (Webinare, Online-Schulungen usw.) eine gute Möglichkeit, den Bildungstand der Mitarbeiter zu verbessern. Die Vorteile von Webinaren sind die standortunabhängige Fortbildung (keine Anreise, geringerer Zeitverlust), Wiederholung des Webinars jederzeit, Wissensabfrage auch mit zeitlichem Versatz, anonyme Teilnahme, einfacher Informationsaustausch, einfache „Updates“ usw.).

Da Indikationen, Diagnosen und Therapieplanungen nicht delegierbar sind, muss der Zahnarzt anhand der gesammelten Befunde und eigener erhobener Befunde die abschließenden Diagnosen erstellen und eventuell notwendige Therapien veranlassen. Wie im Modul 1 erwähnt, sind unsere Instrumente zur Befundsammlung weitgehend digitalisiert. Die ebenfalls im Modul 1 erwähnten Systeme sind z.B. bereits heute in der Lage, aufgrund der gesammelten Daten die formale Diagnose entsprechend der neuen Klassifikation in der Parodontologie zu erstellen.

Der nächste Schritt ist nicht mehr fern. Die Therapieentscheidungen werden nicht mehr von einem einzelnen Behandler getroffen, sondern durch „Therapie-Planungs-Programme“. Es gibt bereits Expertenteams, die ein System entwickelt haben, dass auf sehr große Mengen von Fotos, Fachbüchern und sonstigen Aufzeichnungen, die immer per „Update“ aktualisiert werden, zurückgreift. Es steht außer Frage, dass diese Rechner bezogen auf die Speicherkapazität, die Rechengeschwindigkeit und die Aktualität der Information dem Menschen gegenüber überlegen sind. Therapien können zukünftig aufgrund einer wesentlich besseren Datenlage im Hinblick auf Erfolgsraten, unerwünschten Wirkungen und auftretenden Komplikationen verglichen werden.

Modul 8: Individuellen, risikoorientierten Recall-Termin vereinbaren

Vor der neuen Terminvereinbarung für den nächsten Recall-Termin muss das Risiko patientenindividuell ermittelt werden. Die im Modul 1 erwähnten Systemen (ParoStatus.de, pa-konzepte.de) schlagen aufgrund der digitalen Auswertung der „Berner Spinne“ einen Recall-Abstand vor. Das System www.parodontalstatus.ch arbeitet mit einem Algorithmus, der die Zeit zwischen den Recall-Terminen mit den verbleibenden parodontalen Sondierungstiefen (PPDs) in Beziehung zur parodontalen Stabilität setzt. Zur Erreichung und Aufrechterhaltung der parodontalen Stabilität während der „Unterstützenden Parodontalen Therapie“ (UPT) werden individuelle quantitative Daten aus umfassenden PPD-Restprofilen zur Verbesserung der Planung der UPT-Intervalle verwendet.

Die Terminvereinbarung erfolgt heute durch die Prophylaxe-Mitarbeiter ebenfalls digital. Da von jedem Sprechzimmer ein Zugriff auf das Terminbuch möglich ist, wird in den meisten Praxen der neue Prophylaxe-Termin direkt von den Prophylaxe-Mitarbeitern vereinbart. Für die Terminerinnerung stehen neben dem digitalen Telefon neue Medien wie SMS, E-Mail, App usw. zur Verfügung.

Zusammenfassung

Sowohl in der Medizin als auch der Zahnmedizin wird die Digitalisierung immer mehr an Bedeutung gewinnen. Ob dieser Trend immer zum Vorteil der Patienten und der Praxen ist, muss die Zukunft zeigen. In unserer Praxis spielen die emotionale Intelligenz (Empathie) und die Ethik eine große Rolle. Diese Kernkompetenz, die vor allem in der sprechenden Zahnmedizin (Prophylaxe) wichtig ist, wird auch in Zukunft eine menschliche Domäne bleiben, die nicht so leicht durch digitale Hilfsmittel zu ersetzen sein wird. Bei der digitalen Diskussion bleibt die Sicht des Patienten oft unberücksichtigt.

Unser präventives Praxis-Konzept für die Zukunft lautet nicht 4.0 sondern „4xP, 1xE“:

  • Prevention“: Prävention steht vor Restauration. Das heißt, dass langfristig die kurative Zahnmedizin durch die präventive Zahnmedizin ersetzt werden muss.
  • Prediction“: Ziele müssen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit vorhersagbar und erreicht sein.
  • Personalization“: Personalisierte Zahnmedizin bedeutet in der Prophylaxe, dass wir unseren Patienten, die für ihn beste individualisierte, risikoorientierte, altersspezifische Prophylaxe bieten.
  • Participatory“: Partnerschaft zwischen Patient und dem Praxisteam ist die Grundlage, um gemeinsame Gesundheitsziele auch in der Prophylaxe zu erreichen. Anders ausgedrückt: Prophylaxe kann nur erfolgreich sein, wenn Patient und Praxisteam zusammenarbeiten.
  • Ethik“: Aus der finanziellen Sicht bedeutet das, dass wir lieber Geld mit der Gesundheit unserer Patienten verdienen möchten, als mit deren Erkrankungen.

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