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Zahnmedizin
Praxismanagement


Psychologische Aspekte in der Zahnarztpraxis

10.11.2017
 - Claudia Davidenko

So gehen Sie richtig mit Stress in der Zahnarztpraxis um.
So gehen Sie richtig mit Stress in der Zahnarztpraxis um.

Stress ist eine Aktivierungsreaktion unseres Körpers. Ob diese Aktivierung für den Körper positiv (Eustress) oder negativ (Disstress) ist, ob sie gesundheitsschädlich oder gesundheitsfördernd ist, hängt von unserer Bewertung der Stressfaktoren ab.

Zudem ist Stress:

  • zeitlich begrenzt
  • eine emotionale Belastung
  • wird hervorgerufen durch eine Situation, von der derjenige glaubt, sie nur schwer bewältigen zu können

Allerdings verkümmern wir ohne Stress. Denn er ist nicht nur anstrengend, sondern auch anregend.

Wichtig dabei ist nur die Balance zwischen Anspannung und Entspannung. Stress ist ganz individuell: was stresst und wie geht man damit um.

Stress hat Auswirkungen auf:

 

Unterschiede beim Stress – Stressreaktionen (psychisch, körperlich)

Unter einer Stressreaktion versteht man Vorgänge, die bei einer Person als Folge von Stress ausgelöst werden. Stressreaktionen können sich psychisch oder körperlich bemerkbar machen.

Auf körperlicher Ebene

Bei einer Stressreaktion reagiert der Körper mit vielen Veränderungen. Sie sollen den Körper aktivieren und handlungsbereit machen, deshalb wird Energie bereitgestellt. Als Reaktion auf Stress beschleunigt sich deshalb z.B. der Herzschlag, Muskeln spannen sich an, die Atmung wird schneller. Dies mag für einen kurzen Zeitraum gerechtfertigt sein. Hält die Stressreaktion jedoch längere Zeit an, kann sich das langfristig nachteilig auf die Gesundheit auswirken und z.B. zu Erschöpfungszuständen führen.

Auf psychischer Ebene

Man wird hastig und ungeduldig, macht bei der Arbeit nur kurze oder gar keine Pausen, lässt sich keine Zeit mehr beim Essen, sondern schlingt es herunter, spricht schneller oder unterbricht andere.

Der Gebrauch von Rauschmitteln bzw. der Versuch, sich zu betäuben, nimmt zu – z.B. durch Zigaretten, Alkohol, Kaffee, Schmerz-, Beruhigungs- oder Aufputschmittel, aber auch durch Essen.

Die Arbeitsweise wird chaotischer; Planung und Ordnung leiden, alles wird gleichzeitig angepackt, Dinge werden nicht mehr wiedergefunden oder vergessen.

Der Körper wirkt unruhig, z.B. weil man mit den Füßen wippt oder mit den Fingern auf den Tisch trommelt, im Gesicht oder in den Haaren rumnestelt oder an der Kleidung zupft.

Im Umgang mit anderen wird der Ton aggressiver und gereizter, Streitigkeiten und Vorwürfe häufen sich.

Weiterhin können innere Unruhe, Nervosität, Unzufriedenheit, Ärger, Wut, Hilflosigkeit, Schuldgefühle, Selbstvorwürfe, Grübeln, kreisende Gedanken, Gefühl der Leere im Kopf (geistige Aussetzer, Blackout), Konzentrationsprobleme Denkblockaden und keinen klaren Gedanken fassen können hinzukommen.

Umgang mit Stress – als Mitarbeiter

Wenn Mitarbeiter sich auf der Arbeit überfordert fühlen, unter Schlafproblemen, Stimmungsschwankungen oder Leistungsproblemen leiden, eventuell auch Meinungsverschiedenheiten mit Kollegen haben, dann können dies Anzeichen von Stress sein. Diese Warnzeichen von Stress sind nicht zu unterschätzen. Neben einem störenden Einfluss auf die Arbeitsleistung und die Zufriedenheit kann chronischer oder intensiver Stress auch zu körperlichen und emotionalen Gesundheitsproblemen führen.

In Stresssituationen ist auf Folgendes zu achten:

  • regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene und bewusste Ernährung,
  • Vermeidung von mäßigem Alkoholkonsum und Nikotin und anderen Drogen
  • für einen ausreichend und erholsamen Schlaf sorgen
  • Überprüfung des Umgangs mit Überstunden
  • Zwischendurch eine Auszeit nehmen
  • einen ausgeglichenen Zeitplan für tägliche Aufgaben erstellen
  • regelmäßige Pausen einhalten
  • Prioritäten für Aufgaben setzen
  • möglichst viel delegieren – auch privat

3 Tipps für einen besseren Umgang in stressigen Zeiten

  1. Verinnerlichen, dass keiner perfekt sein muss und oftmals eine pragmatische Lösung angebrachter ist, als eine 100%-ig optimierte, aber äußerst zeitaufwendige Lösung
  2. Trotzdem positiv Denken
  3. Akzeptieren, dass es Dinge gibt, die nicht kontrollierbar sind

Maßnahmen bei wütenden Patienten

Unzufriedene Patienten gehören vielleicht nicht zum Alltag jeder Praxis. Aber manchmal kommt es vor, dass jemand seine Wut laut herausbrüllt, man angeschrien oder beschimpft wird. Dann ist es nicht einfach, die Nerven zu behalten und dem professionell zu begegnen.

1. Maßnahme: Ruhe bewahren … „21, 22, 23 …“

Nicht ausrasten, „nur“ weil einem Unrecht getan wird. Das hilft nicht weiter. Einmal tief durchatmen, das Geschrei nicht auf sich persönlich beziehen: Der brüllende Herr Müller hat ein Problem. Doch man selbst hat keinen Fehler gemacht. Ruhig bleiben, dem wütenden Menschen ins Gesicht schauen und erst einmal aktiv zuhören, warum er verärgert ist.

2. Maßnahme: Nörgelpatient ist immer Teamarbeit

Wenn ein Patient seine Wut gerade an einer Kollegin am Empfang auslässt, wirkt es oft Wunder, wenn die Kollegin einspringt. Durch den Personalwechsel wird der Patient erst einmal aus seiner Rage „herausgeholt“, er kann kurz zur Besinnung kommen. Und wahrscheinlich wird Herr Müller seinen Wutanfall nicht wiederholen.

3. Maßnahme: Nörgelpatienten isolieren, damit sie andere nicht „anstecken“

Wenn sich Patienten nicht an die Spielregeln halten und auch durch klare, freundlich vorgetragene Hinweise nicht zur Ruhe gebracht werden, ist eine Grenze erreicht. Wer laut und aggressiv ist, bringt die gesamte Praxis durcheinander und verunsichert auch die anderen Patienten – dem sollte vorgebeugt werden. Es darf auf keinem Fall zugelassen werden, dass ein wütender Patient das gesamte Wartezimmer „aufmischt“ und jede Arbeit am Empfang unmöglich macht. Die Vorgehensweise bei diesen „besonderen“ Patienten muss mit dem Chef vorher abgesprochen sein.

Das Verhalten des Patienten ist in seiner Karteikarte zu vermerken, sodass der Chef Bescheid weiß. Solche Patienten sollte der Chef auf jeden Fall freundlich, aber bestimmt an die „Spielregeln“ in der Praxis erinnern, an die sich alle anderen Patienten auch halten.

4. Maßnahme: Nicht beleidigen lassen

Als ZFA muss man manchmal ein dickes Fell haben. Aber man muss sich nicht alles gefallen lassen! Bei persönlichen Beleidigungen oder Beschimpfungen ist eine Grenze überschritten.

Das sollte dem Patienten deutlich gezeigt werden – bei aller Toleranz und bei allem Verständnis für kranke Menschen.

Stress und Schmerz

Unter Stress werden vermehrt Endorphine ausgeschüttet, dadurch ist man weniger schmerzempfindlich.

Schmerz ist eine unangenehme, sensorische und emotionale Empfindung. Er kann mit akutem oder drohendem körperlichem Schaden verknüpft sein. Schmerz ist allerdings nicht objektiv messbar, sondern ist ein subjektives Geschehen, ein psychischer Zustand. Jeder Mensch hat eine unterschiedliche Schmerzschwelle.

Psychosomatische Patienten haben ein anderes Schmerzerleben. Sie reagieren genau umgekehrt.

Sie haben wenig körperliche Befunde – dafür ein starkes Schmerzerleben.

Psychosomatische Belastungsstörungen

Eine Psychosomatische = Posttraumatische Belastungsstörung kann nach einem Trauma kurzfristig oder zeitlich verzögert auftreten. In manchen Fällen können sogar Jahrzehnte bis zum Auftreten der Symptomatik vergehen. Erkennen kann man eine Psychosomatische Belastungsstörung bei einem Patienten, wenn dieser z.B. über ständig belastende Erinnerungen (an das Trauma) oder Alpträume klagt. Es kann auch begleitend Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit zu erkennen sein. Aber auch Schlafstörungen, schnelle Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhte Wachsamkeit, übermäßige Schreckhaftigkeit können Anzeichen sein.

Bei vielen Betroffenen ist das Selbst- und Weltbild erschüttert und das Vertrauen in andere Menschen nachhaltig gestört. Viele Betroffene leiden zudem unter schweren Schuld- oder Schamgefühlen oder unter Selbsthass. Die Leistungsfähigkeit in wichtigen Lebensbereichen ist eingeschränkt, die Bewältigung des Alltags wird für viele zur Qual.

Das Risiko für Suchterkrankungen, Depressionen und andere psychische Erkrankungen steigt.

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