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Zahnmedizin
Praxismanagement


IDS-Experten-Interview mit Nicola V. Rheia

27.03.2017

Lesen Sie hier das Interview mit unserer Hygiene-Expertin Nicola V. Rheia rund um die aktuellen Themen in der Zahnmedizin, wie die Praxisbegehung, die Digitalisierung, neuen Herausforderungen und ihre Highlights der IDS!

1. Derzeit dreht sich alles rund um das Thema Hygienemanagement in der Zahnarztpraxis. Worauf ist das zurückzuführen? 

Frau Rheia: Zum einen wegen der angekündigten Hygienebegehungen seitens der Aufsichtsbehörden und der damit verbundenen Unsicherheit in den Praxen, ob alle geforderten Anforderungen richtlinienkonform erfüllt werden.

Zum anderen verlangt der G-BA in den erweiterten QM-Richtlinien von November 2016, dass Methoden und Instrumente wie der sachgerechte Umgang mit Prozessen in der Hygiene in einem Hygienemanagement festgelegt sind.

2. Worauf muss eine Zahnarztpraxis bei der Vorbereitung auf eine Praxisbegehung besonders achten?

Frau Rheia: Um nicht zu demotivieren, zähle ich die einzelnen Punkte nicht im Detail auf, denn es ist, wenn ich ehrlich bin, nicht wenig, auf was alles geachtet werden muss. Und das ist auch der Grund, warum ich immer wieder darauf hinweise, die Angelegenheit nicht zu locker zu nehmen. Ein aktuelles Hygienemanagement ist nicht von heute auf morgen auf die Beine gestellt. Eine super Unterstützung hierbei sind meine beiden sehr praxisnahen Fachbücher „Hygienemanagement in der zahnärztlichen Praxis“ und der „Leitfaden Praxisbegehung“.

Wichtig ist, dass eine Praxis praktisch und theoretisch gut vorbereitet ist. Das heißt, es muss das notwendige Sachwissen vorhanden sein und nachgewiesen werden können. Es müssen die Anforderungen in der Praxis den Richtlinien entsprechend umgesetzt werden und die Hygiene- und Arbeitssicherheits-relevanten Dokumente müssen im praxiseigenen QM vorhanden sein.

3. Was ist der häufigste Irrtum in Bezug auf die Praxisbegehung?

Frau Rheia: Es gibt zwei Aussagen aus den Zahnarztpraxen, die ich regelmäßig im Zusammenhang mit der Praxisbegehung zu hören bekomme:

1. „Es gibt so viele Zahnärzte (ca. 52.000 in Deutschland) – es trifft mich sicher nicht.“
Hier gebe ich immer den Tipp, sich nicht zu sicher zu sein. Es wäre ratsam, sich nicht die Frage zu stellen, ob eine Begehung überhaupt anstehen wird, sondern wann.

2. „Der Begeher soll ruhig kommen. Allzuviel wird schon nicht passieren. Wir bekommen einen Mängelbericht und den können wir dann schön abarbeiten.“
Das mit dem Mängelbericht ist schon korrekt. Aber mit dem „gemütlich“ Abarbeiten ist das so ein Ding. Handelt es sich nämlich um schwerwiegende Mängel, kann es dazu kommen, dass

  • einzelne Behandlungszimmer geschlossen werden, bis der Mangel behoben ist.
  • eine weitere Aufbereitung der MP untersagt ist, bis der Mangel behoben ist.
  • eine Begehung abgebrochen wird.
  • ein Bußgeld fällig wird.

Was auch ein großer Fehler wäre, wäre zu denken, dass nach Abschluss einer Begehung im Hygienemanagement nichts mehr gemacht werden muss. Es gibt ständig Änderungen, die im praxiseigenen Hygienemanagement dokumentiert werden müssen. Frei nach der Lebensweisheit „Stillstand ist Rückschritt und der erste Schritt ins Grab“ (lacht).

4. Wie schätzen Sie die Auswirkung der Digitalisierung auf die Zahnarztpraxen ein?

Frau Rheia: Da denke ich, wird sicher noch einiges auf die Praxen zukommen. Wenn man andere Branchen vergleicht, stecken Zahnarztpraxen im Umgang mit der Digitalisierung noch in den Kinderschuhen. In vielen Zahnarztpraxen wird gerne noch analog gearbeitet oder zumindest analog und digital kombiniert und sich damit doppelte Arbeit macht. Gerade bei der Aufbereitung von MP (Medizinprodukten) ist die Digitalisierung ein großer Mehrwert. Das Computerprogramm leitet die zuständige Mitarbeiterin Schritt für Schritt durch den Aufbereitungsprozess, Fehler werden vom Programm erkannt und es erfolgt eine rechtssichere Dokumentation. 

5. Welche Zukunftstrends gibt es in der Zahnmedizin? Wie können sich die Zahnarztpraxen darauf vorbereiten?

Frau Rheia: Die Anforderungen, die an eine Praxis und die Mitarbeiter gestellt werden, werden sicher immer höher. Ein Ausruhen oder Stillstand wird es nicht geben. Sei es seitens gesetzlicher Vorgaben, aber auch die Patienten haben ihre genauen Vorstellungen über einen „guten Zahnarzt“.

Generell ist auch eine Zahnarztpraxis ein Unternehmen, das wirtschaftlich orientiert arbeiten sollte. Da das Kerngeschäft der Praxis die Patientenbehandlung ist, sollte auch alles notwendige dafür getan werden, um auf die Bedürfnisse und Anforderungen der „Kunden“ eingehen zu können. Denn ohne „Kunden“ keine Praxis. Mal abgesehen von den „weichen Faktoren“ wie Freundlichkeit, Vertrauen und Zuverlässigkeit, sind strategische Überlegungen zu den jeweiligen Behandlungsarten für die Zukunft wichtig. Prävention wird immer wichtiger. Der klassische Kariespatient nimmt immer weiter ab. Ein Schwerpunkt in der Therapie kann sicher – durch den Erhalt der eigenen Zähne – die Behandlung von entzündlichen Erkrankungen sein. Und ein sicher nicht zu verachtender Zukunftstrend wird in der Betreuung/Therapierung von Pflegebedürftigen liegen. Sozusagen mobil statt Praxis und Prävention statt Extraktion. 

6. Was sind Ihre persönlichen Messehighlights der IDS 2017?

Frau Rheia: Was mich unheimlich beeindruckt hat, ist das vielfältige Angebot und tatsächlich die Internationalität – China, Australien, USA, um nur mal die am weitesten entfernten Aussteller auf der IDS zu nennen.

Die IDS ist eine tolle Gelegenheit, um sich Anregungen und Ideen für die Zukunft zu holen.

7. Was sind die interessantesten Kundenfeedbacks, die Sie von der Messe mitnehmen?

Frau Rheia: 
Umfangreiches Angebot und Leistungen:
Viele kennen die Firma Spitta von den Vordrucken, die sie seit Jahren bestellen, und den Leistungen rund um das Thema Abrechnung. Neu war vielen, dass Praxen auch Unterstützung rund um das Thema Hygiene mit Fachliteratur und Seminaren von Spitta erhalten.

Persönlicher Ansprechpartner:
Schön war für viele Besucher an der IDS, dass sie sich mit ihrem Anliegen persönlich an einen kompetenten Ansprechpartner wenden konnten und mich als Autorin ihrer Fachbücher „Hygienemanagement in der zahnärztlichen Praxis“ und „Leitfaden Praxisbegehung“ einmal live kennenlernen konnten. 

Betreuungsleistung:
Wichtig ist Besuchern auch eine richtige Betreuung – wie gute Erreichbarkeit und Kompetenz.

Gerade beim Leitfaden Praxisbegehung ist der Frage-Antwort-Service sehr gut angekommen, da die Praxis umgehend auf ihre gestellte Frage eine Antwort bekommt.

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