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Zahnmedizin
Interdisziplinäre Zahnheilkunde


Mundtrockenheit verschlechtert die Lebensqualität!

22.03.2016
 - aktualisiert am 24.05.2016

Mundtrockenheit verschlechtert die Lebensqualität!
Mundtrockenheit verschlechtert die Lebensqualität!

Eine Verschlechterung der Lebensqualität durch Mundtrockenheit konnte in vielen internationalen Studien belegt werden, obwohl die Vergleichbarkeit der meisten Untersuchungen aufgrund der Heterogenität des Studiendesigns sowie der unterschiedlichen ätiologischen Faktoren der Mundtrockenheit ziemlich gering ist.

Vergleichbar mit Untersuchungen zur Prävalenz von Mundtrockenheit wird auch bei der Erfassung der Lebensqualität der Patienten zu wenig zwischen der Xerostomie als subjektiver und der Hyposalivation als objektiver Komponente der Mundtrockenheit differenziert, wobei sich die meisten Untersuchungen auf deren subjektive Komponente beziehen.

Mundtrockenheit nach Radiotherapie

Mundtrockenheit als Folge einer Radiotherapie gilt als eine der ausgeprägtesten Formen von Mundtrockenheit; aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass Patienten im Verlauf der Radiotherapie auch deshalb eine massive Verschlechterung ihrer Lebensqualität erfahren [Jensen et al., 2010]. Gerade bei Patienten nach Radiotherapie scheint eine Korrelation zwischen dem objektiven Speichelfluss und der Lebensqualität zu bestehen [Henson et al., 2001; Blanco et al., 2005; Braam et al., 2007].

In manchen Untersuchungen konnte zudem gezeigt werden, dass sich die Lebensqualität von Patienten nach Radiotherapie zunächst deutlich verschlechtert, später jedoch zumindest wieder etwas verbessert [Jensen et al., 2010]; dieses Phänomen könnte auf eine lediglich von einigen Autoren beobachtete partielle Regeneration der Speichelsekretion bzw. eine gewisse Adaptation der betroffenen Patienten zurückgeführt werden. Sehr viele Patienten mit Mundtrockenheit nach Radiotherapie klagen über starke Einschränkungen bei der Nahrungsaufnahme – insbesondere, was Art und Menge der aufgenommenen Nahrung betrifft –, Geschmacksveränderungen und ein generell unangenehmes Gefühl im Mundbereich; viele Patienten empfinden es zudem als unangenehm, in Gegenwart anderer Menschen zu essen [Dirix et al., 2008].

Die Tatsache, dass mehr als 40 % der befragten Patienten sich nicht vorstellen können, für den Rest ihres Lebens unter derart ausgeprägter Mundtrockenheit zu leiden [Dirix et al., 2008], unterstreicht die

starke Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität!

Die meisten weiteren Untersuchungen zum Einfluss von Mundtrockenheit auf die Lebensqualität konzentrieren sich auf die Evaluation von älteren, zum Teil hospitalisierten Patienten [Locker, 2003; Gerdin et al., 2005; Thomson et al., 2006]; nach Kenntnis des Autors existiert nur eine einzige Untersuchung, die den Einfluss von Mundtrockenheit auf die Lebensqualität jüngerer Menschen ohne spezifische ätiologisch relevante Erkrankung erforscht [Thomson et al., 2006].

Standardisierte Fragebögen zur Bestimmung der Lebensqualität

Meist werden zur Bestimmung der mundbezogenen Lebensqualität bei Patienten mit Mundtrockenheit standardisierte Fragebögen wie das 49 bzw. in verkürzter Form 14 Fragen umfassende Oral Health Impact Profile (OHIP) [Slade et al., 1994] oder, insbesondere bei älteren Patienten, der 12 Fragen umfassende Geriatric Oral Health Assessment Index (GOHAI) [Atchison et al., 1990] verwendet.

Die Antworten werden schließlich in einen Punktwert umgerechnet, der dann für die Zahl der verschiedenen Fragen aufsummiert wird; eine hohe Punktsumme korreliert mit einer geringen mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität. Der GOHAI-Fragebogen zielt in diesem Zusammenhang besonders auf eine Analyse der Symptomatik und Funktion ab, während der OHIP-Fragebogen sich eher mit psychologischen und sozialen Wirkungen der Mundgesundheit auseinandersetzt [Locker et al., 2001].

Beide Fragebögen finden breite Anwendung für die Erfassung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität von Patienten mit Mundtrockenheit [Locker et al., 2003; Gerdin et al. 2005;

Thomson et al., 2006] und existieren neben der englischen Originalfassung auch in deutschen Versionen [John et al., 2004; Hassel et al., 2008].

Individualisierte Fragebögen zur Bestimmung der Lebensqualität

Individualisierte Fragebögen zur Xerostomie, wie sie in manchen Untersuchungen zur Lebensqualität von Patienten nach Radiotherapie verwendet wurden [Dirix et al., 2008], finden bislang kaum Anwendung; allerdings scheint gerade der OHIP-Fragebogen besonders für die Erfassung der Lebensqualität bei Patienten mit Xerostomie geeignet zu sein [Baker et al., 2006]. Locker konnte zeigen, dass bei älteren Patienten eine signifikante Korrelation zwischen dem Auftreten von Xerostomie und der mundbezogenen Lebensqualität besteht. Ältere Patienten mit Xerostomie klagen dabei häufig über Probleme im täglichen Leben; diese beinhalten insbesondere Probleme beim Sprechen, Probleme beim Kauen und Abbeißen oder ein unangenehmes Gefühl beim Essen sowie vermindertes Geschmacksempfinden.

Viele Patienten fühlen sich zudem im Umgang mit anderen Menschen befangen [Locker, 2003; Gerdin et al., 2005]. Dahingegen scheint die Hyposalivation als objektive Komponente

der Mundtrockenheit besonders mit dem Auftreten von Schmerzen im Mundbereich zu korrelieren [Gerdin et al., 2005]. Auffallend ist, dass auch bei Patienten mit sehr ausgeprägter Xerostomie nur etwa ein Drittel bezüglich der Mundgesundheit unzufrieden waren [Locker, 2003]; diese Beobachtung könnte auf eine große Adaptationsfähigkeit dieses älteren Patientenklientels hindeuten oder darauf, dass die Patienten mit zunehmendem Alter mit derartigen Problemen rechnen und sich darauf einstellen [Locker, 2003].

Nicht nur ein Problem bei älteren Menschen

Auch hinsichtlich der Lebensqualität zeigt sich, dass Mundtrockenheit kein ausschließliches Problem älterer Menschen ist: So zeigte sich auch bei 32-jährigen Patienten eine signfikante Korrelation zwischen der Präsenz von Xerostomie und der Lebensqualität der Befragten [Thomson et al., 2006]. Mundtrockenheit bewirkt eine deutliche Verschlechterung der Lebensqualität betroffener Patienten.

Die Lebensqualität verringert sich umso mehr, je ausgeprägter die Mundtrockenheit ist. Insbesondere bei Patienten, die an sehr starker Mundtrockenheit leiden, oder bei älteren Patienten findet man oft eine charakteristische Vermeidungshaltung: So werden etwa verschiedene Nahrungsmittel gemieden, die besonders trocken sind oder die zu einer Reizung der Schleimhäute und zu Problemen beim Schlucken führen könnten. Damit zeigt sich, dass eine effektive Behandlung von Mundtrockenheit auch im Sinne einer Ernährungslenkung notwendig ist!

 


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