Das Geschäftsklima, das das IFO Institut (Institut für Wirtschaftsforschung e.V., München) regelmäßig für die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland erhebt, dient als ein Indikator für die aktuelle wirtschaftliche Lage und die Erwartungen der Gewerblichen Wirtschaft für die kommenden sechs Monate. Das Geschäftsklima ist ein transformierter Mittelwert aus den Salden der Geschäftslage und der Erwartungen (IFO 2007, www.cesifo-group.de).
Im Rahmen der repräsentativen Studie “Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2007“ wurden analog zu den Kriterien des IFO Institutes die niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte nach der wirtschaftlichen Lage und ihren Erwartungen für die nächsten sechs Monate gefragt. Auf dieser Grundlage wurde der “Medizinklimaindex Frühjahr 2007” ermittelt. Die jährliche Studie wird im Auftrag der Stiftung Gesundheit (www.stiftung-gesundheit.de), Hamburg, von der GGMA Gesellschaft für Gesundheitsmarktanalyse mbH (www.ggma.de) durchgeführt.
Ein repräsentativ ausgewähltes Sample von 30.000 Ärzten und Zahnärzten wurde befragt. Davon haben 1.983 Ärzte und Zahnärzte an der Studie teilgenommen. Das entspricht einer Antwortquote von 6,6 Prozent.
Die Stiftung Gesundheit hat durch ihre verschiedenen Studien unter den niedergelassenen Ärzten die Erfahrung gewonnen, dass Zahnärzte als eigene Gruppe zu betrachten sind, da es vielfach Unterschiede zu den Humanmedizinern gibt. „Viel früher schon als im Rahmen der ambulanten Humanmedizin mussten sich sowohl die Patienten und die Leistungserbringer im zahnmedizinischen Sektor mit Eigenleistungen und Zuzahlungen auseinandersetzen“, sagt Dr. Peter Müller, Vorstand von der Stiftung Gesundheit. „Früher als die Ärzte mussten die Zahnmediziner so trainieren, ökonomische Grundtatbestände in die Planungen einzubeziehen. Vor diesem Hintergrund erscheint es schlüssig und natürlich, dass sich die Zahnärzteschaft insgesamt in einem Terrain mit wachsenden Wettbewerbskomponenten besser behaupten kann.“ Daher wurden in diesem Jahr neben den Humanmedizinern auch die Zahnärzte befragt und werden es auch künftig.
Wirtschaftliche Aussichten der Zahnärzte ungünstig
Die Zahnärzte in Deutschland bewerten ihre wirtschaftliche Lage und die Perspektive für die kommenden sechs Monate ungünstig. Das ergibt der Medizinklimaindex (MKI) Frühjahr 2007. Dennoch sind die Aussichten positiver als die der Humanmediziner; beide bewegen sich gleichwohl noch im negativen Bereich. Ihre aktuelle wirtschaftliche Lage schätzen 55,1 Prozent der niedergelassenen Zahnärzte als zufrieden stellend ein, 23,6 Prozent als schlecht und dagegen 21,7 Prozent als gut. Ihre wirtschaftlichen Aussichten in den kommenden sechs Monaten dagegen bewerten 21,7 Prozent als ungünstiger und lediglich 8,9 Prozent als günstiger. Fast 70 Prozent rechnen nicht mit einer Veränderung.
Der daraus errechnete Medizinklimaindex liegt bei -7,6. Der Saldowert der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten “gut” (21,7) und “schlecht” (23,6). Der Saldowert der Erwartungen ist die Differenz zwischen den Antworten “günstiger” (8,9) und “ungünstiger” (27,9).
Vergleich Humanmediziner und Zahnärzte
Die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage, vor allem aber die Zukunftserwartungen, unterscheiden sich zwischen den Ärzten und den Zahnärzten: Unter den Ärzten schätzen 20,9 Prozent die aktuelle wirtschaftliche Situation als gut ein, 54,9 Prozent sind zufrieden, während 24,1 Prozent die Lage als schlecht empfinden. Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate sind bei 7,3 Prozent gut, gleichbleibend bei 63,2 Prozent und 29,5 Prozent schauen düster in die Zukunft. Der Medizinklimaindex der Ärzte liegt so bei –12,7.
Deutlich freundlicher sind die Aussichten bei den Zahnmedizinern mit einem Medizinklimaindex bei –7,6. „Dass der MKI sowohl bei den Humanmedizinern als auch bei den Zahnärzten im negativen Bereich liegt, gibt einen Hinweis auf die insgesamt gespannte Lage im Gesundheitsmarkt“, sagt Professor Dr. Konrad Obermann, wissenschaftlicher Leiter der Studie. Das Gesundheitswesen hierzulande halte für seine Protagonisten viele Herausforderungen bereit – in schnellerer Folge als je zuvor: Ökonomisierung, politische Regulierung, Technisierung und Durchdringung des Medizinbetriebs durch Informationstechnologien verändern gegenwärtig die Grundfesten der Branche. „Der bessere MKI der Zahnärzte belegt, dass sie schon seit längerer Zeit marktorientiertes Handeln gewohnt sind und so trifft sie die momentan schwierige Situation nicht so unvorbereitet wie die meisten niedergelassenen Humanmediziner.“
Der Medizinmarkt im gesamtwirtschaftlichen Kontext
Der Vergleich des Medizinklimaindexes zu den analog errechneten IFO-Geschäftsklimata für Mai 2007 ausgewählter Berufssparten zeigt deutliche Unterschiede: So hat das Verarbeitende Gewerbe für den Berichtsmonat Mai 2007 eine wesentlich positivere Einschätzung mit +27,6 als in den Branchen des Einzelhandels (-3,2) und des Baugewerbes (-14,6). Im Herbst 2006 betrug der MKI im Medizinmarkt –11,7 und trug die Rote Laterne des wirtschaftlichen Klimas. In diesem Frühjahr hingegen ist das Schlusslicht das Bauhauptgewerbe.
Autorin:
Alexandra Schramm, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg
schramm@mbmed.de
www.mbmed.de