Es wird auch wieder diejenigen geben, die kurz vor zwölf, also irgendwo zwischen dem 15. und 29. Dezember, eine gravierende – meist falsche – wirtschaftliche Entscheidung treffen in einer Zeit, da Weihnachtsvorbereitungen viel opportuner erscheinen. Aber man kann ja Steuern sparen, koste es was es wolle.
Zahnärztin Anette N.
Zahnärztin Anette N. ist seit langem niedergelassen in eigener Praxis, hat ihre pekuniären Fragen mit ihrem vertrauten Berater immer sehr ordentlich und überlegt geregelt. Die eingegangenen wirtschaftlichen Risiken sind kalkuliert und passen zu ihrer Einstellung. So werden kurzfristige Mietausfälle bei dem im Stadtzentrum gelegenen Mehrfamilienhaus oder wiederholt auftretende Kursschwankungen beim Aktiendepot aus der weiten Welt gelassen hingenommen. Langfristig getroffene Entscheidungen werden allen Aufs und Abs zum Trotz nicht bei jedem Sturm hinterfragt. Die Investitionen sind nicht nur in Ruhe wohlüberlegt, sondern auch verstanden worden. Auf die eine oder andere Steuernische wurde bewusst verzichtet. Für kryptische Modelle ist kein Platz im Bauch unserer erfolgreichen Zahnärztin, die so nebenbei noch ihren Sohn alleine groß gezogen hat.
So ist auch ihr Depot nicht nur breit diversifiziert, sondern auch der Zeithorizont der Anlagen immer wieder auf dem Prüfstand. Die wesentliche Frage ist nicht „schaffe ich 0,5 % p.a. mehr Ertrag als andere“, sondern passt diese Anlage zu mir und zu meinen persönlichen Zielen, Vorstellungen und Wünschen. Kurzfristige Liquiditätsrücklagen, mittelfristige Rentenanlagen und langfristige Aktienanlagen sind ebenso vertreten wie andere Anlagen, die das Depot sinnvoll ergänzen (Immobilienfonds, Rohstoffe, Investitionen in Schwellenländern, außerbörsliche Anlagen, etc.).
Abgeltungsteuer am 2009
Für die ab dem 01. Januar 2009 kommende Abgeltungsteuer wird mit dem langjährigen Berater selbstverständlich ein Termin vereinbart, indem die Auswirkungen der durch unseren Finanzminister verkündeten steuerlichen Veränderungen geprüft werden. Und das nicht erst am 16.12. des Jahres, sondern jetzt und in aller Ruhe und Gelassenheit.
Für Anette N. gibt es erstaunlicherweise nicht nur Nachteile, sondern die steuerlichen Veränderungen bringen für ihr Depot auch Entlastungen, die sie gar nicht verhindern will oder kann. Die Zinserträge werden ab dem 01. Januar 2009 nicht mehr mit dem persönlichen Steuersatz belastet, sondern der Einheitlichkeit wegen greift der 25 %ige Abgeltungsteuersatz (zzgl. Soli und ggfs. Kirchensteuer somit ca. 28 %), der dann auch direkt von der Bank an Herrn Peer Steinbrück abgeführt und hier hoffentlich zur Konsolidierung des Staatshaushaltes oder vielleicht gar zur Schuldentilgung (für Politiker ein unbekanntes Wort) eingesetzt wird.
Ohne Steuern geht halt nichts und Lichtenstein ist keine Alternative für den ehrlichen und verantwortungsvollen Bundesbürger - erst recht nicht für unsere auch als Vorbild für ihren mittlerweile volljährigen Sohn fungierende Mutter.
Auswirkungen für Anette N.
Anette N. zahlt also weniger Steuern auf ihre Zinserträge aus den Tagesgeldanlagen und aus den festverzinslichen Wertpapieren. Bei diesen Anlagen ist sie auf der Gewinnerseite der Abgeltungsteuer.
Damit aber kann unser Finanzminister dauerhaft nicht zufrieden sein und so muss natürlich ein Ausgleich her. Die wesentliche Veränderung ab dem 01.Januar 2009 betrifft die Besteuerung der Kursgewinne, die bisher und noch bis zum 31. Dezember 2008 nach einer Haltefrist von zwölf Monaten steuerfrei sind. Kursgewinne, die danach durch Veräußerung von Wertpapieren erzielt werden, werden ebenfalls der Abgeltungsteuer unterzogen. Somit muss unsere Zahnärztin in diesem Fall bei ihren Aktiengeschäften ab Januar 2009 eine zusätzliche Besteuerung hinnehmen (wieder 25 % zzgl. Soli und Kirchensteuer, die direkt von der Bank an den Staat abgeführt werden). Ungläubige holen sich die zuviel belastete Kirchensteuer über ihre Steuererklärung zurück. Anette N. ist somit hier auf der Verliererseite der Abgeltungsteuer.
Im anstehenden Beratungsgespräch wird Anette N. aber von ihrem Berater erfahren, dass sie im Laufe dieses Jahres noch die Möglichkeit hat, ihr Depot auf die neue Situation auszurichten. Im Wesentlichen geht es um die Konservierung der Kursgewinne. Bei all den Kursgewinnen zum Beispiel aus ihren Aktienanlagen, die bis zum 31. Dezember 2008 getätigt sind und die bei Veräußerung die zurzeit noch einjährige Haltedauer erfüllen, bleibt der Kursgewinn auch über Januar 2009 hinaus steuerfrei; egal ob die Veräußerung in 2009, 2019 oder 2029 erfolgt. Auch ohne Mathematikstudium hat man schnell erfasst, dass bei solch langen Fristen Steuervorteile in nicht unerheblicher Höhe entstehen können.
Diese Option muss unbedingt in aller Ruhe geprüft werden und sollte mit dem Berater des Vertrauens besprochen und umgesetzt werden. Anette N. wird natürlich nur die Gelder, die längerfristigen Zielen dienen, dieser Prüfung unterziehen. Beim Festgeld ist schnell erkannt, dass keine Veränderung notwendig ist. Bei den übrigen Geldern muss eine Einzelfallprüfung der Anlagen und der persönlichen Ziele erfolgen. Erst wenn diese Entscheidung getroffen ist, werden die Gelder, die hier bewegt werden können, an die neue Situation angepasst und auf höchstem Produktniveau umgesetzt. Es wird nicht aus dem Steuerspartrieb heraus kurzfristig gehandelt, sondern auf Basis einer soliden wirtschaftlichen Entscheidung, die vor allem nach menschlichem Ermessen langfristig Bestand hat, werden Steueroptionen mitgenommen.
Fazit
Die meisten meiner Mandanten sind sowohl auf der Gewinner- als auch auf der Verliererseite der Abgeltungsteuer. Damit sie aber nicht nur auf der Verliererseite sind, weil nichts oder zuviel getan wurde, ist ein persönliches Beratungsgespräch unerlässlich und die schnellste sowie beste Lösung. Sie hat zudem den Vorteil, dass man die kommende Artikelflut in den Medien gelassen an sich vorbeiziehen lassen kann und für sich oder seine Lieben Zeit hat, so wie Anette N.
Peter Classen
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