Den gut 70 Teilnehmern aus
dem In- und Ausland wurde ein abwechslungsreiches und spannendes
Vortragsprogramm auf Deutsch und Englisch rund um die computergestützte
Fertigung von Zahnersatz geboten. Die Themenvielfalt reichte von der virtuellen
Artikulation über fräsbare Verblendschichten bis hin zu den aktuellen
Produktentwicklungen aus dem Hause Hint-ELs.
Virtueller Artikulator?
Zwar ist eine große Anzahl mechanischer Artikulatoren
verfügbar, aber ihr Einsatz ist oftmals mit komplizierten und zeitaufwendigen
Arbeitsschritten verbunden. Da ein solcher Mehraufwand aus betriebswirtschaftlicher
Sicht unattraktiv ist, wird zu Lasten der Genauigkeit der Versorgung häufig auf
die Anwendung eines Artikulators verzichtet. Virtuelle mathematisch simulierte
Artikulatoren erscheinen daher eine sinnvolle Alternative zu sein und Referent
PD Dr. András Szentpétery (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
bestätigte, dass mit diesen theoretisch z. B. jeder Parameter naturgetreu in
beliebigen Inkrementen verändert und die Bennett-Bewegung als ISS,
Bennett-Winkel oder beides eingestellt werden kann. Zudem müssten die
unterschiedlichen Bewegungsarten nicht separat eingestellt und der virtuelle
Artikulator weder in der Zentrik verriegelt noch für die Bewegung wieder
freigegeben werden. Allerdings bieten die meisten aktuellen CAD/CAM-Systeme
lediglich die Funktion eines Okkludators. Eine dynamische Kauflächengestaltung,
wie sie der virtuelle Artikulator der Hint-ELs® Software ermögliche, werde in
den seltensten Fällen geboten.
Verblendungen fräsen?
Volker Voigt, Geschäftsführer von biodentis (Leipzig), wies
darauf hin, dass beim Chipping in der Regel eine Fraktur innerhalb der
Verblendkeramik auftritt. Dies sei darauf zurück zu führen, dass bei der
manuellen Verblendung Einschlüsse entstehen, von denen ausgehend sich
Mikrorisse bilden können. Die Infix-Technolgie von absolute ceramics minimiere
das Risiko für Chipping, indem auch die Verblendung computergestützt erfolgt:
Die Gerüststruktur wird aus Zirkoniumdioxid und die Verblendschicht aus
Glaskeramik gefräst. Verbunden werden beide Elemente mit einem Glaslot.
CAD/CAM ohne Investitionen?
ZTM Ralf Rondeck präsentierte mit Dentsecure (Leipzig) ein
neuartiges Konzept für einen Laborverbund mit eigenem Fräszentrum. Dieses biete
Zahntechnikern die Chance, ohne Investitionen und ohne Mindestumsätze an
zukunftssicherer CAD/CAM-Technologie teilzuhaben. Unterstützt wird ZTM Rondeck
dabei durch das Unternehmen Hint-ELs. Der Maschinenpark des Fertigungszentrums
umfasst zur Eröffnung elf 4- und 5-achsige Fräsmaschinen sowie drei Lasersintereinheiten
für die Fertigung von Zahnersatz. Zusätzlich gehören neben Großraumöfen und
hochpräzisen Modellscannern vier Fräsen für die Produktion von Kiefermodellen
zur Ausstattung. Premiumpartner von Dentsecure profitieren von zahlreichen
Verbundvorteilen.
Alle Vorteile in einem Abutment?
Joachim Neutzling, Verkaufsrepräsentant von Swiss-Medent
(Goldbach), informierte über das sogenannte Hybrid-Abutment. Dieses vereint
sowohl die Stabilität von Titan als auch das ästhetische Potenzial von Zirkoniumdioxid
in sich, indem Titanklebebasen mit individuellen Zirkoniumdioxid-Abtuments
kombiniert werden. Hierzu wurden die Geometrien der Klebebasen, die mit
passenden Interfaces für bereits sechs der verbreitetsten Implantatsysteme
erhältlich sind, in die Konstruktionssoftware von Hint-ELs integriert. Bei der
virtuellen Modellation der individuellen Abtuments kann der Sulkus gezielt
definiert werden, da eine farbcodierte Anzeige der Kompression der Gingiva
möglich ist.
Was ist Rapid Prototyping?
Uwe Brick, Manager Applikation und Business Development bei
3D Systems (Darmstadt), erklärte den Teilnehmern die Funktionsweise von vier
verschiedenen Rapid Prototyping-Verfahren. Bei der Stereolithografie wird eine
Bauplattform in einem Behälter mit flüssigem Kunststoff positioniert und die
geplante Geometrie durch die schichtweise Materialerhärtung mit einem
Laserstrahl nach und nach aufgebaut. Für den Aufbau jeder neuen Schicht wird
die Bauplattform innerhalb des Behälters abgesenkt. Bei dem Lasersinterverfahren
wird gezielt Metallpulver durch einen Laserstrahl aufgeschmolzen, sodass
schichtweise das gewünschte Objekt entsteht. Das Multi-Jet-Printing entspricht
der Funktionsweise herkömmlicher Tintenstrahldrucker und beim
Film-Transfer-Imaging wird ein Film auf eine Glasplatte gezogen, unter der sich
ein Beamer befindet, der die Materialschicht auf dem Film gemäß der CAD-Planung
erhärtet.
Noch anwenderfreundlicher?
Mit besonderer Spannung wurde der Vortrag von ZTM Josef
Hintersehr, Geschäftsführer von Hint-ELs, erwartet. Er kündigte u. a. eine neue
Generation von Konstruktionssoftware an. Diese trägt den klangvollen Namen
Hint-ELs® dentalMagic und zeichnet sich durch verschiedene Highlights aus. Z.
B. wurde eine Bedienoberfläche konzipiert, die sich zugunsten der
Anwenderfreundlichkeit durch eine auffallend minimalistische Struktur
auszeichnet. Hierzu werden u. a. stets ausschließlich jene Buttons
eingeblendet, die der Anwender für den aktuellen Arbeitsschritt benötigt. Die
hinterlegte Zahndatenbank und zahlreiche Automatikfunktionen in Kombination mit
einem virtuellen Wachsmesser und einem Freeform-Tool sollen den Workflow für
den Anwender so einfach wie möglich gestalten und gleichzeitig bei Bedarf jede
Freiheit für eine vollkommen flexible Konstruktion gewährleisten.
Welche Präzision ist ausreichend?
Zudem berichtete ZTM Hintersehr von den Herausforderungen,
denen er sich bei der Entwicklung des Intraoralscanners Hint-ELs® directScan
gegenüber gestellt sah. Dieser basiert auf der Streifenlichttechnologie und
arbeitet bereits seit dem ersten Prototypen, der vor fünf Jahren entstand, mit
blauem Licht. Um einen Intraoralscanner zur gewährleisten, der nicht hinter der
Präzision des Hint-ELs® hiScanµ zurücksteht, entwickelte das Unternehmen
spezielle Prüfmethoden samt der erforderlichen Software. Mittlerweile wurden 25
seriennahe Muster angefertigt, die der abschließenden Erprobung des
Hightech-Geräts durch Zahnärzte und Zahntechniker dienen. Bei der Anwendung ist
zu beachten, dass insbesondere die in der Regel relativ transluzenten
Frontzähne leicht mit Puder zu bestäuben sind. Bei 70 - 80 % der Molaren kann
auf eine Mattierung verzichtet werden. Am Touchscreen kann das virtuelle Modell
in alle Richtungen gedreht und die Qualität des Scans leicht kontrolliert
werden. Für die Erfassung eines Einzelscans sind mindestens drei Aufnahmen
erforderlich. Prinzipiell ist dem Anwender hinsichtlich der Scananzahl jedoch
kein Limit gesetzt: Beliebig viele Aufnahmen werden zuverlässig gematcht.
Ausprobieren?
Im Anschluss an das Vortragsprogramm demonstrierte Feri
Nadj, verantwortlich für Vertrieb, Marketing und Qualitätskontrolle bei
Hint-ELs, die Leistung des Intraoralscanners live. Abgerundet wurde dieser
krönende Abschluss des Veranstaltungsprogramms, indem den Gästen die
Möglichkeit geboten wurde, den Hint-ELs® directScan auch eigenhändig zu testen.
Traditionsgemäß kamen die Veranstaltungsbesucher schließlich
im nahegelegenen Griesheim zu einem gemeinsamen Abendessen zusammen. In
geselliger Runde und lockerer Atmosphäre ließen die Teilnehmer die neu
gewonnenen Eindrücke Revue passieren und tauschten angeregt Erfahrungen aus
ihrem Laboralltag aus.