Er war nicht anwesend und stand doch im Mittelpunkt der Jahresversammlung
der Vereinigung unabhängiger Vertragszahnärzte (VuV) Niedersachsens in dieser
Woche in Hannover: Bundesgesundheitsminister Dr. Philip Rösler (FDP). Seine
Aussagen zum Umbau der Gesundheitspolitik fanden einhellig Beifall, der sich
auch in einer einstimmig verabschiedeten Resolution niederschlug: man werde
seine Politik „mit allen Kräften unterstützen“ heißt es in dem Beschluss.
Seit elf Jahren gibt es die VuV, gegründet und geleitet von
Dr. Karl Horst Schirbort aus Burgdorf bei Hannover. Schirbort war viele Jahre
lang unter anderem Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung
(KZBV) und der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KZVN) und gilt
als Experte im Gesundheitswesen. In diesem Bereich müsse man „dicke Bretter bohren
und das mindestens zehn Jahre lang“, umriss Schirbort seine politischen
Erfahrungen. „Jetzt zeigen sich die ersten realen Möglichkeiten für
Veränderungen“, zeigte er sich in seinem Jahresbericht vorsichtig optimistisch.
Denn Rösler setze auf strukturelle Veränderungen nach „einigen Dutzend durchweg
erfolglosen Gesundheitsgesetzen in den vergangenen 35 Jahren, darunter allein
sieben große Gesundheitsreformen in den letzten zwei Jahrzehnten“.
Optimistisch stimmt
die Zahnärzte vor allem auch, dass Rösler selbst Arzt ist, der das System auch
aus dem persönlichen Erleben und aus eigenen Blickwinkeln her kennt. „Das ist
ein ganz entscheidender Punkt“, so Schirbort. Die VuV-Mitglieder hoffen darauf,
dass sich Rösler mit seinen Vorstellungen nicht nur gegen die Opposition,
sondern vor allen auch gegen Widerstände im eigenen Regierungslager, namentlich
von der CSU, durchsetzen kann. Über die Kritik im Koalitionslager zeigte sich
Schirbort verwundert und zitierte CSU-Chef Horst Seehofer, der schon 1996 für
die „Ablösung des anonymen Sachleistungsprinzips durch transparente
Kostenerstattung“ ausgesprochen hatte. Dabei rechnen die Mediziner ihre
Leistungen direkt mit den Patienten ab, die die Kosten von ihrer Krankenkasse
erstattet bekommen. „Kostenerstattung bedeutet auch Bürokratieabbau und damit
Kosteneinsparungen“, betonte Schirbort.
Doch es geht den Zahnärzten um mehr: die Sicherung der
freien Arztwahl, die Finanzierung des Gesundheitssystems durch die steuerlich
unterstützte und sozial abgefederte Gesundheitsprämie, das Aufräumen mit der
Bürokratie und der sozialistischen Planwirtschaft im Gesundheitswesen und
einige weitere Punkte, deren Verwirklichung unter der Ägide eines
Gesundheitsministers Rösler möglich scheint. Es gebe jetzt die Möglichkeit für
Veränderungen, ist die VuV überzeugt und die Politik müsse diese „Chancen
nutzen“ – mit diesen beiden Worten hatte die VuV ihre Jahresversammlung
überschrieben.
Zu Beginn der gut besuchten Mitgliederversammlung hatte der
Dr. Karl-Heinz Sundmacher, Bundesvorsitzender des Freien Verbandes Deutscher
Zahnärzte (FVDZ) über die Zukunftschancen des freiberuflich-selbständigen
Zahnarztes auch mit Blick auf die demografische Entwicklung referiert. Demnach
müssen sich Deutschlands Zahnmediziner wenig Sorgen machen: Auch in Zukunft
werde der weitaus überwiegende Teil von Zahnarztpraxen als Einzelpraxen geführt
werden. Aber auch Sundmacher mahnte grundsätzliche Reformen im Gesundheitswesen
an, denn ein einfaches „weiter so“ dürfe es nicht geben.
Der VuV in Niedersachsen gehören eigenen Angaben zufolge
rund 900 Zahnärztinnen und Zahnärzte an.