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19.02.10
Internationale DGÄZ-Jahrestagung mit Dr. John Kois:
Von Risikoprofil bis Okklusion "wie zuhause"
Schon im Vorfeld hatte DGÄZ-Fortbildungsreferent Dr. Siegfried Marquardt von seinem „Traum“ gesprochen, Dr. John Kois/Seattle einmal nach Europa holen zu können: „Er ist der Lehrer überhaupt auf dem Gebiet der restaurativen Zahnheilkunde, und er reist nicht so oft.“ Die Einladung wurde angenommen und die traditionelle Internationale Jahrestagung der DGÄZ im November am Tegernsee auf den Referenten hin maßgeschneidert: „Wir hatten zwei volle Kongresstage nichts als ‚Kois’ auf dem Programm – und jede Minute war voll mit Informationen und Tipps, für die Dr. Kois bei seiner heimatlichen Fortbildung gut sechs Tage ansetzt. Dabei ist er ein sehr lebendiger Referent, der einen mühelos mitnimmt auf seinem Weg. Es war unglaublich“, resümierte Dr. Marquardt. Das Komplettpaket nach einzelnen brauchbaren Tipps aufschlüsseln zu wollen, ist unmöglich: „Das Faszinierende ist das Gesamtkonzept -  die fundierte und ausgefeilte Therapieplanung für die Versorgung einfacher bis hochkomplexer prothetischer Fälle mit allen notwendigen parodontologischen, orthodontischen und implantologischen Vorbehandlungen.“ Notwendig für solche Vorgehensweisen sind Analysebögen, die den Behandler strukturiert durch die Befundung führen – ein Ampelsystem ermöglicht dabei die Risikoanalyse und eine sichere Diagnose. Dr. Kois imponierte mit einem eindrucksvollen „Risk-Assessment“: Mit einem ausgefeilten Risiko-Bewertungsmuster sollen Misserfolge, vor allem falsche Okklusionsprotokolle vermieden werden. Kernaussage von Dr. Kois: Eine stabile Okklusion sichert ein stabiles Langzeitergebnis, eine falsche Okklusion senkt die Langzeitprognose erheblich. Funktionelle Ästhetik sei für den Behandlungserfolg maßgeblich. Dr. Marquardt: „Dieses Konzept vereint Funktion und Ästhetik auf sinnvolle Weise, in dem ‚lediglich’ die bestehenden Behandlungsrisiken minimiert werden.“

Risikoprofilermittlung

Hinsichtlich der Behandlungsqualität und Therapieerfolge besonders spannend war Tag 1 des Kongresses mit dem Schwerpunkt „Risk Assessment“: Den rund 300 Teilnehmern aus sechs verschiedenen Ländern im Kongresssaal am Tegernsee vermittelte Dr. Kois eine neue Ausrichtung in Bezug auf Diagnose und Bewertung bzw. Einschätzung unterschiedlicher Therapiemöglichkeiten im Hinblick auf deren dauerhafte Etablierung, heißt: Haltbarkeit. Er trennte die Diagnostik und Bewertung der Situation klar nach parodontalen, funktionellen, biomechanischen und nicht zuletzt im Hinblick auf die Ästhetik auch dentofacialen Aspekten. Dr. Marquardt: „Hinter jeder dieser vier Fachaspekte hat Kois gezielte, auf eigener Erfahrung und Literatur basierende Fragen etabliert. Zu jeder dieser Unterteilungen werden Befunde nach klaren Vorgaben erhoben. Daraus werden die Diagnosen und das entsprechende Risikoprofil und damit die Prognose abgeleitet.“ Der funktionelle Entscheidungsprozess ist gemäß Kois immer beeinflusst durch den Grad der Prognose: Eine von Haus aus akzeptable Funktion hat eine gute Prognose. Finden sich dagegen beispielsweise ein eingeschränktes Kaumuster, okklusale Dysfunktionen und / oder Parafunktionen und / oder gar neurologische Erkrankungen, dann sinkt die Prognose stetig. Welche Konsequenzen das für die jeweilige Therapieplanung hat, machte der Referent mit einfachen Beispielen deutlich.

Tag 2 für die 3 Ps

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der "3Ps": Sie stehen für das Therapiekonzept der Funktionsstörungen, dem Dr. Kois eine zentrale Rolle einräumt. P1 steht für Position (Kieferposition), P2 für Place (Home wie ‚zu Hause’, der Patient fühlt sich einer guten Occlusion optimal geborgen und zuhause), und P3 steht für Pathway (dynamische Okklusion oder Artikulation: Wenn der Weg nach Hause breit und frei von Hindernissen ist, kommt der Patient gerne und sicher in seine Home-Position). Dabei lag Dr. Kois besonders am Herzen, dass  die Patienten dieses Therapiekonzept verstehen und auch selbst aktiv mit umsetzen wollen.

Easy & simple

Der Reiz seines Konzeptes liegt in den von ihm häufig gebrauchten und auch genau so im Auditorium angekommenen zwei Lieblingsbemerkungen: „Make it easy“ bzw. „Keep it simple.“ Das machte es leicht, ihm über die zwei erheblich komprimierten Tage zu folgen und sich motivieren statt abschrecken zu lassen, wie viele Reaktionen der Teilnehmer zeigten. Dr. Stephanus Steuer/St. Gallen, beispielsweise meinte: „Herausragend! Der Blick auf Probleme wurde ganzheitlich geöffnet. Das Ganze wird multifaktoriell erfasst und eingeschätzt, um im Detail Erfolg zu haben. Und das alles mit klarer Führung wie in einem Kochbuch. Dies hat eindeutig den Wunsch auf einen tieferen Einstieg in das Kois-Konzept geweckt.“

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