Schon im Vorfeld hatte DGÄZ-Fortbildungsreferent Dr.
Siegfried Marquardt von seinem „Traum“ gesprochen, Dr. John Kois/Seattle einmal
nach Europa holen zu können: „Er ist der Lehrer überhaupt auf dem Gebiet der
restaurativen Zahnheilkunde, und er reist nicht so oft.“ Die Einladung wurde
angenommen und die traditionelle Internationale Jahrestagung der DGÄZ im
November am Tegernsee auf den Referenten hin maßgeschneidert: „Wir hatten zwei
volle Kongresstage nichts als ‚Kois’ auf dem Programm – und jede Minute war
voll mit Informationen und Tipps, für die Dr. Kois bei seiner heimatlichen
Fortbildung gut sechs Tage ansetzt. Dabei ist er ein sehr lebendiger Referent,
der einen mühelos mitnimmt auf seinem Weg. Es war unglaublich“, resümierte Dr.
Marquardt. Das Komplettpaket nach einzelnen brauchbaren Tipps aufschlüsseln zu
wollen, ist unmöglich: „Das Faszinierende ist das Gesamtkonzept -
die fundierte und ausgefeilte Therapieplanung
für die Versorgung einfacher bis hochkomplexer prothetischer Fälle mit allen
notwendigen parodontologischen, orthodontischen und implantologischen
Vorbehandlungen.“ Notwendig für solche Vorgehensweisen sind Analysebögen, die
den Behandler strukturiert durch die Befundung führen – ein Ampelsystem
ermöglicht dabei die Risikoanalyse und eine sichere Diagnose. Dr. Kois
imponierte mit einem eindrucksvollen „Risk-Assessment“: Mit einem ausgefeilten
Risiko-Bewertungsmuster sollen Misserfolge, vor allem falsche
Okklusionsprotokolle vermieden werden. Kernaussage von Dr. Kois: Eine stabile
Okklusion sichert ein stabiles Langzeitergebnis, eine falsche Okklusion senkt
die Langzeitprognose erheblich. Funktionelle Ästhetik sei für den
Behandlungserfolg maßgeblich. Dr. Marquardt: „Dieses Konzept vereint Funktion
und Ästhetik auf sinnvolle Weise, in dem ‚lediglich’ die bestehenden
Behandlungsrisiken minimiert werden.“
Risikoprofilermittlung
Hinsichtlich der Behandlungsqualität und Therapieerfolge
besonders spannend war Tag 1 des Kongresses mit dem Schwerpunkt „Risk
Assessment“: Den rund 300 Teilnehmern aus sechs verschiedenen Ländern im
Kongresssaal am Tegernsee vermittelte Dr. Kois eine neue Ausrichtung in Bezug
auf Diagnose und Bewertung bzw. Einschätzung unterschiedlicher
Therapiemöglichkeiten im Hinblick auf deren dauerhafte Etablierung, heißt:
Haltbarkeit. Er trennte die Diagnostik und Bewertung der Situation klar nach
parodontalen, funktionellen, biomechanischen und nicht zuletzt im Hinblick auf
die Ästhetik auch dentofacialen Aspekten. Dr. Marquardt: „Hinter jeder dieser
vier Fachaspekte hat Kois gezielte, auf eigener Erfahrung und Literatur
basierende Fragen etabliert. Zu jeder dieser Unterteilungen werden Befunde nach
klaren Vorgaben erhoben. Daraus werden die Diagnosen und das entsprechende Risikoprofil
und damit die Prognose abgeleitet.“ Der funktionelle Entscheidungsprozess ist
gemäß Kois immer beeinflusst durch den Grad der Prognose: Eine von Haus aus
akzeptable Funktion hat eine gute Prognose. Finden sich dagegen beispielsweise
ein eingeschränktes Kaumuster, okklusale Dysfunktionen und / oder
Parafunktionen und / oder gar neurologische Erkrankungen, dann sinkt die
Prognose stetig. Welche Konsequenzen das für die jeweilige Therapieplanung hat,
machte der Referent mit einfachen Beispielen deutlich.
Tag 2 für die 3 Ps
Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der "3Ps":
Sie stehen für das Therapiekonzept der Funktionsstörungen, dem Dr. Kois eine
zentrale Rolle einräumt. P1 steht für Position (Kieferposition), P2 für Place
(Home wie ‚zu Hause’, der Patient fühlt sich einer guten Occlusion optimal
geborgen und zuhause), und P3 steht für Pathway (dynamische Okklusion oder
Artikulation: Wenn der Weg nach Hause breit und frei von Hindernissen ist,
kommt der Patient gerne und sicher in seine Home-Position). Dabei lag Dr. Kois
besonders am Herzen, dass die Patienten dieses Therapiekonzept verstehen
und auch selbst aktiv mit umsetzen wollen.
Easy & simple
Der Reiz seines Konzeptes liegt in den von ihm häufig
gebrauchten und auch genau so im Auditorium angekommenen zwei
Lieblingsbemerkungen: „Make it easy“ bzw. „Keep it simple.“ Das machte es
leicht, ihm über die zwei erheblich komprimierten Tage zu folgen und sich
motivieren statt abschrecken zu lassen, wie viele Reaktionen der Teilnehmer
zeigten. Dr. Stephanus Steuer/St. Gallen, beispielsweise meinte: „Herausragend!
Der Blick auf Probleme wurde ganzheitlich geöffnet. Das Ganze wird
multifaktoriell erfasst und eingeschätzt, um im Detail Erfolg zu haben. Und das
alles mit klarer Führung wie in einem Kochbuch. Dies hat eindeutig den Wunsch
auf einen tieferen Einstieg in das Kois-Konzept geweckt.“