Für das Gelingen eines ästhetisch und funktionell hochwertigen Zahnersatzes mit höchster Präzision und der Zufriedenheit von Patienten, Zahntechniker und Zahnarzt ist die Wahl des Abformmaterials von großer Bedeutung. Dieses sollte leicht und ohne große technische Schwierigkeiten zu verarbeiten sein, präzise abformen und natürlich auch den Erfordernissen des wirtschaftlichen Arbeitens genügen.
Die gummielastischen Abformmassen sind unter den Abformstoffen die Jüngsten, deren Einführung die Darstellung von Unterschnitten ermöglichte. Sie lassen sich in zwei Hauptgruppen einteilen: Die reversibel elastischen und die irreversibel elastischen Abformstoffe. Ihre Entwicklung begann 1940 mit der Einführung der Alginate und 1954 der Polysulfide. Hierauf folgten 1955 die kondensationsvernetzenden Silikone. Die Elastomere sind unter den Abformwerkstoffen die Jüngsten, deren Einführung die Darstellung von Unterschnitten ermöglichte. Durch die Veränderung des Füllstoffgehaltes konnten zwischen 1960 und 1970 auch Konsistenzen von ultradünn fließend bis knetbar angeboten werden. Die Entwicklung der zum prothetischen Standard zählenden Abformmethoden Korrektur- und Doppelmischabdruck sowie bestimmter Funktionsabformungen in der Totalprothetik, unter Kombination der verschiedenen Viskositäten, konnte beginnen. Die verschiedenen Konsistenzen erweiterten die klinische Methodik, die Indikationsbereiche und ermöglichten die Rationalisierung von Behandlungsabläufen. Zu den Elastomeren gehören inzwischen die Polyether, die 1965 auf den Dentalmarkt kamen, und die additionsvernetzenden Silikone, die 1975 vorgestellt wurden. Die in jüngster Zeit erzielten Verbesserungen beruhen nicht auf den Materialien selbst, sondern eher auf den optimierten Verarbeitungs- und Darreichungsformen, sowie der Verbesserung des chemisch-physikalischen Verhaltens. Dazu zählen die 1988 eingeführten "hydrophilen A-Silikone". Die vom Hersteller in geringen Mengen zugesetzten Tenside vermindern, durch die Erniedrigung der Oberflächenspannung, die hydrophoben Eigenschaften der ASilikone. Die A-Silikone und Polyether werden bevorzugt im Kartuschensystem geliefert, auch für die automatischen Mischgeräte stehen zunehmend mehr Materialien in Schlauchbeuteln zur Verfügung. Die Verwendung dieser Mischsysteme garantiert ein exaktes Mischungsverhältnis zwischen Katalysator- und Basispaste.

Fazit
Die Anforderungen an elastomere Abformmaterialien sind vielfältig. Neben den grundsätzlichen Anforderungen wie Biokompatibilität, Lagerfähigkeit, Desinfektion, angenehmer Geruch und Geschmack, Kompatibilität mit Modellwerkstoffen, einfache Verarbeitung, spielen Fließeigenschaften, Elastizität, Volumenverhalten und Abformschärfe eine entscheidende Rolle. Die verwendeten Abformmaterialien sollen die Situation der Hart- und Weichgewebe detail- und dimensionsgetreu wiedergeben. Für festsitzenden Zahnersatz wird die Wiedergabe der Oberfläche bis zu 25 μm genau angestrebt. Für die Abformung von Weichgeweben erscheinen 50 μm ausreichend. Die Abformmaterialien wirken somit in geringem Umfang entprofilierend, was an der Schleimhaut wünschenswert ist. Ein universell einsetzbares Abformmaterial für alle Indikationsbereiche existiert noch nicht. Der Behandler hat die Wahl zwischen den unterschiedlichen Materialien und den Konsistenzen schwer, mittel und dünnfließend entsprechend den klinischen Anforderungen. Zu den Präzisionsabformmaterialien zählen die A-Silikone und die Polyether. Für optimale Abformergebnisse ist das Beherrschen der klinischen Methodik eine unabdingbare Voraussetzung. Dabei sind die Auswahl geeigneter Abformlöffel, die entsprechende Präparation und ein trockenes Abformgebiet, die Verwendung von Haftvermittlern, das Einhalten der Abbindezeit, die Entnahmetechnik aus dem Mund und der Zeitpunkt der Modellherstellung nur einige Kernpunkte, die hier Erwähnung finden sollen.
Die Abformung stellt den ersten Schritt in einer langen Kette zur Entstehung einer hochwertigen restaurativen Arbeit dar, da trotz der rasanten Entwicklung der CAD/CAM-Technologie nahezu jede prothetische Arbeit von der Genauigkeit und Güte eines Modells abhängig ist.
Dr. Nadine Handschuck, Ohrdruf