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27.07.09
Implantate etablierte Helfer bei dramatischen Gewebeverlusten
Jahrestagung des BBI / DGI-Landesverbandes Berlin-Brandenburg
Mit einer Serie außergewöhnlicher Fälle setzte der BBI/DGI-Landesverband Berlin-Brandenburg  bei seiner 23. Jahrestagung einen ebenso eindrucksvollen wie oft geradezu erschütternden Akzent unter dem Dach des DGI-Gemeinschaftskongresses im Mai 2009 in Berlin: Unter dem Thema "Schwerwiegende MKG-Beeinträchtigungen und Implantologie" zeigten die Referenten aus Österreich (Prof. Dr. Dr. Norbert Jakse/Graz), aus der Schweiz (Dr. Gerolf Gehl/Frauenfeld) und aus Deutschland (Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake/Göttingen; Professor Dr. Gerhard Wahl/Bonn) Fälle mit erheblichem Substanzverlust im Gesicht und aufwändige Lösungen mit implantologischer Unterstützung. Ziel der Maßnahmen war, den oft extrem geschädigten Menschen wieder Teilnahme am Leben zurückzugeben und wichtige Funktionen wiederherzustellen. "Auch uns Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen bleibt manchmal kurz der Atem stehen, wenn wir solche Fälle in unsere Praxis oder Klinik bekommen, wenn von einem Gesicht oft nur noch die Hälfte da ist", sagt Prof. Dr. Dr. Volker Strunz, BBI/DGI-Landesvorsitzender Berlin-Brandenburg und Veranstalter dieses Schwerpunktes, "aber wir wissen, was wir heute mit den Möglichkeiten der Implantologie alles über Zahnersatz hinaus leisten können. Das ist wichtig für klassisch implantierende Kollegen, denn sie sehen hier, welches Potential unser Fach hat. Sie entwickeln dann vielleicht selbst zusammen mit Kollegen individuelle Lösungen für Patienten mit besonderen Bedürfnissen, und solche Erfahrungen bringen unser Fach in vielerlei Hinsicht voran." Eindrucksvoll wurde deutlich, dass die Rekonstruktionen schwer zerstörter Gesichter das Zusammenspiel erfahrener Kollegen aus Zahnmedizin, Chirurgie, Implantologie, Epithetik, oft auch Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und weiterer Disziplinen verlangt: "Wir müssen alle in solchen Situationen Grenzen überwinden, oft auch unsere eigenen, und gemeinsam die Idee entwickeln, was erreichbar sein kann - und dann schrittweise gemäß backward-planning darauf hinarbeiten."

Vom Bildhauer zum Epithetiker

Eine besonders eindrucksvolle Fall-Präsentation lieferte Dr. Gerolf Gehl, Schweiz. Er sei von Haus aus Bildhauer, genauer: Plastiker, und habe sich aus diesem Blickwinkel für den menschlichen Körper interessiert. Nach seinem Zahnmedizinstudium verbinde er jetzt seine beiden Expertisen unter anderem in der Epithetik: "Auch als Zahnarzt müssen wir ja gestalten." Was Implantologie und plastisches Verständnis leisten können, zeigte sich am Fall eines von einem Bären zerfleischten Försters. Mit Hilfe von Implantaten, Mini-Magneten und selbst entwickeltem Gewebe-Stützgittern zeigte Dr. Gehl die verschiedenen Schritte zu einem funktionstüchtigen Gesicht. Weniger die Ästhetik stehe im Vordergrund als vielmehr die Wiederherstellung von Funktionen wie Nahrungsaufnahme und Atmung. Dass der Patient sich wieder unter Menschen traue, sei die schönste Belohnung. Bei der anschließenden Diskussion, die deutlich Sachverstand erforderte, erinnerte Prof. Strunz erinnerte an die Periimplantitis-Problematik, von der auch Epithetik-Fälle nicht verschont blieben, an das Problem der Alterung von Kunststoffen und natürlicher Veränderungen im Gesicht. Deutlich wurde, dass viele Lösungen nur möglich sind durch kreative Eigenentwicklungen in Zusammenarbeit mit erfahrenen Unternehmen

Implantate - auch bei bestrahlten Tumorpatienten?

Ein Thema, das bei einer älter werdenden Bevölkerung und steigender Anzahl an Turmor-Therapien immer relevanter wird, ist die Frage möglicher Prothetik für diese Patienten. Hier dürfe sich nicht nur die Frage nach ausreichend vorhandenem Knochen für eine Implantation stellen, so Prof. Schliephake, sondern gefragt werden müsse auch, ob der Patient beispielsweise noch Nahrung bei sich behalten kann, wenn die halbe Zunge fehlt. Mittlerweile könne auch Patienten unter Bestrahlung eine implantatgetragene Lösung ermöglicht werden -  mit nicht gar so schlechten Erfolgsaussichten bei eher niedriger Bestrahlungsdosis. Bei Überschreiten des Grenzwertes von 50 Gy sinke die Erfolgsquote allerdings deutlich. Dennoch war seine Botschaft zum Thema Implantate bei bestrahlten Tumorpatienten eindeutig: "Das Weichgewebe ist durch die Bestrahlung mehr geschädigt als der Knochen. Einer implantatgetragenen Versorgung ist daher der Vorzug zu geben gegenüber einer schleimhautgetragenen Alternative."

Neu im Rahmenprogramm: Der 1. DGI-Golfcup 2009 Berlin


Auf Initiative des BBI/DGI-Landesverbandes Berlin-Brandenburg fand erstmals ein Golfturnier als Kongress-Abschluss statt: "Implantieren ist Networking, und Golfen ist es auch – das passt gut zusammen, und es ist ein schöner Ausklang nach dieser anspruchsvollen Jahrestagung", so Initiator und Golf-Fan Prof. Strunz. Zum Turnier auf dem Meisterschaftsplatz am Seddiner See hatten sich 65 Kongressteilnehmer angemeldet. Bei schönstem Wetter erkämpfte sich Dr. Waldemar Goldin, Berlin, BBI/DGI-Mitglied, den neuen DGI-Wanderpokal – er bleibt also erst einmal in der Hauptstadt und steht bei der DGI-Jahrestagung 2010 erneut zur Disposition.

Quelle: www.dgi-ev.de


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