Im Bereich der ästhetischen Gesichtschirurgie haben
Nasenkorrekturen (Septorhinoplastik) ihren festen Stellenwert und erfreuen sich
zunehmender Beliebtheit. Denn Nasen können bei prägnanter Form das Gesicht
dominieren und als unschön empfunden werden. Überdies verändert sich die Nase
mit zunehmendem Lebensalter. Somit ist auf dem operativen Weg zur perfekt
passenden Nase eine detaillierte Planung extrem wichtig. Hierzu hat eine
interdisziplinäre wissenschaftliche Arbeitsgruppe jetzt ein neues System zur
kontaktfreien Gesichtsvermessung entwickelt und damit die „normale“
durchschnittliche Nase sowie die Form der Nase bei Männern und Frauen in
Abhängigkeit vom Lebensalter bestimmt. Dieses System wurde erstmals anlässlich
der 60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
(DGMKG) vom 26. – 29. Mai 2010 in München vorgestellt.
Erstaunlich aber wahr: Nur der Mensch und der humanoide Affe haben
eine vom Mund getrennte Nase im Sinne eines „Gesichtserkers“ mit Lippenrot. Das
hat sich im Laufe der menschlichen Entwicklung durch Erlangung des aufrechten
Gangs, der damit verbundenen Nutzung der Hände als Werkzeuge und veränderten
Kommunikation durch differenzierte Mimik und Sprache herausgebildet. Somit ist
die Nase für das menschliche Gesicht charakteristisch: prägnante Nasen
dominieren das Gesicht, wohingegen das „durchschnittliche“ und damit „normale“
oder sogar schöne Gesicht eine eher unauffällige Nase aufweist. Dieser Umstand
spiegelt sich zum Beispiel in mehr oder minder despektierlichen Tiervergleichen
wie Adlernase oder Doggennase wider und wurde bereits seit der Antike als
„Physiognomik“ mit Rückschlüssen auf Charakter, Wesen oder Intelligenz der
betroffenen Person belegt. „Dies ist sicher mit einer der Gründe, weswegen die
Menschen auf der Suche nach dem schönen, harmonischen, idealen Gesicht von
jeher verschiedenste Arten der Gesichtsvermessung entwickelt haben“, so Prof. Dr. Dr. Elmar Esser,
Pressereferent der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und
Gesichtschirurgie (DGMKG).
Außerdem verändert sich die Nase kontinuierlich im Verlauf
des Lebens (Beispiel „Hexennase“ = Nase einer alten Frau?). Die komplexe
dreidimensionale Morphologie der Nase wurde bisher lediglich auf der Basis von
zweidimensionalen Messungen in Winkeln und Strecken angegeben. Diese Messungen
werden jedoch der komplexen dreidimensionalen Form der Gesichtsoberfläche nicht
ausreichend gerecht. Aus diesem Grunde wurde im Rahmen einer interdisziplinären
wissenschaftlichen Arbeitsgruppe zur dreidimensionalen Erfassung von Oberflächen
an den von Prof. Dr. Dr. Hans-Florian Zeilhofer gegründeten Hightech Forschungs-Zentren
der TU München und des Universitätsspitals Basel unter der Leitung von PD Dr.
Dr. Katja Schwenzer-Zimmerer von mund-kiefer-gesichtschirurgischer Seite und PD
Dr. Laszlo Kovacs von plastischer Seite ein System zur kontaktfreien
Gesichtsvermessung mit optischen Vermessungsverfahren wie Weißlicht oder
Laserlicht entwickelt. Hierdurch wollten die Experten auf der Basis einer
kontaktfreien Oberflächenerfassung zunächst eine 3D Standardvermessung für die
Nase etablieren. So sollte die „normale“ durchschnittliche Nase bestimmt
werden, indem die statistische Morphologie der Nase bei einem kaukasischen
Kollektiv bestimmt und gemittelt wurde. Weiterhin sollte die Form der Nase bei
Männern und Frauen in Abhängigkeit vom Lebensalter bestimmt werden.
Nasenfaktor: Die Vermessungsergebnisse
Es wurde bei 48 männlichen und 48 weiblichen Probanden in 4 Altersgruppen (1. Gruppe: 0 -12 Jahre, 2.
Gruppe: 20-30 Jahre, 3. Gruppe: 31-50 Jahre und 4. Gruppe: über 50 Jahre) eine
3D-Erfassung der Gesichtsoberfläche durchgeführt und im Computer die nun
vermessbaren 3D Gesichtsmasken hinsichtlich 9 Vermessungspunkten (so genannte
Landmarks), 9 Strecken und 2 Winkeln analysiert.
Die statistische Auswertung ergab eine Normalverteilung für
alle Teilaspekte innerhalb der 4 Gruppen, außer bei der Vermessung des
Nasofrontalwinkels (Winkel zwischen Stirn und Nasenwurzel) in Gruppe 4, der
Probandengruppe im Alter über 50 Jahre. Die Gruppen untereinander wichen jedoch
statistisch relevant voneinander ab. Jede Gruppe zeigte spezifische Besonderheiten.
Insgesamt wurde die Nase mit zunehmendem
Alter wesentlichen länger und der Nasolabialwinkel (Winkel zwischen Oberlippe
und Naseneingang) wurde damit kleiner (im Extremfall „Hexennase“). Das
bedeutet, dass es also eine „Altersgruppennase“ gibt. Die Variabilität des
Nasofrontalwinkels in der Gruppe 4 ist am ehesten auf die unterschiedliche Ausprägung
von sogenannten Zornesfalten zurückzuführen. Dies beweist, dass der klinische
Eindruck, dass die Nase sich im Laufe des Lebens verändert, richtig ist.
Außerdem fiel auf, dass sogenannte „ideale Nasen“, wie zum Beispiel das
„Griechische Profil“ mit fehlendem Nasofrontalwinkel oder die extreme
„Stupsnase“ in einer solchen natürlichen Verteilung entweder gar nicht oder im
Falle der Stupsnase eher im kindlichen Gesicht als beim Erwachsenen auftreten.
Dieses Wissen ist bei der Beurteilung von Nasen für chirurgische Korrekturen
relevant, beispielsweise bei der Korrektur des alternden Gesichtes sowie in der
wiederherstellenden Chirurgie bei angeborenen und erworbenen Deformierungen.
Aufgrund solcher Daten ist es somit jetzt möglich, ein
3D-Foto verbunden mit einem Computerprogramm zur automatisierten Diagnostik von
Nasenformen sowie zur Planung und Visualisierung von chirurgischen Eingriffen
an der äußeren Nase zu entwickeln. Diese Visualisierung kann Chirurgen und
Patienten vor Nasenkorrekturen unterstützen und eine Hilfe bei der Qualitätssicherung
sein.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie