Weil das dynamische Gleichgewicht im orofazialen Bereich aufgrund der vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Zahnstellung, Kieferentwicklung, Gesamtkörperspannung, Mundschluss und Zungenfunktion störanfällig ist, rückt die Früherkennung und die frühzeitige Behandlung von orofazialen Dysfunktionen und Dysgnathien immer mehr in den Fokus.
Ihre multikausalen Ursachen erfordern interdisziplinäre
Zusammenarbeit. Denn diese Fehlfunktionen werden nicht nur in der
Zahnarztpraxis, sondern auch von Logopäden oder HNO-Ärzten
diagnostiziert.
Das Abstellen von Habits - also schädlichen
Gewohnheiten - und myofunktionelle Übungen sowie die
Wachstumsstimulation schon im frühen Wechselgebiss gehören zu den
wissenschaftlich anerkannten und bewährten KFO-Präventionsmaßnahmen. "Diese Aufgaben erfordern interdisziplinäres Denken und Handeln",
betont Prof. Dr. Rosemarie Grabowski von der Poliklinik für
Kieferorthopädie der Universität Rostock und Mit-Autorin des Fachbuches
Das kieferorthopädische Risikokind. Sie unterstreicht, dass die
Überweisung eines Kindes zum Logopäden zwar längst gängige Praxis ist,
es aber in der Regel an einer ausreichenden Kommunikation zwischen
Zahnarzt und Logopäden fehlt. "Das führt dazu, dass
KFO-Behandlungsgeräte verordnet werden, die dem myofunktionellen
Training konträr gegenüberstehen". Für den Logopäden sei es genauso
wichtig, die Probleme der Gebissentwicklung zu kennen, wie für die
KFO-Prävention und -Frühbehandlung das Wissen um myofunktionelle
Trainingsprogramme. "Logopäden kümmern sich längst nicht mehr
ausschließlich um ‚Sprecherziehung’. Ihnen sind die vielschichtigen
Zusammenhänge komplexer Funktionsstörungen bekannt, auf die sie kausal
mit kindgerechten Methoden Einfluss nehmen", so Prof. Grabowski.
Interdisziplinäre Kommunikation und hohe Anforderungen
Ein enger Austausch zwischen Zahnarzt, Kieferorthopäden und
Logopäden über die individuelle Patientensituation ist daher dringend
erforderlich: "Wenn für die KFO-Prävention und Frühbehandlung kausale
Therapie-Maßnahmen empfohlen werden, ist es im Regelfall nicht möglich,
gleichzeitig den Mund des Kindes mit einer voluminösen intraoral
gelegenen Apparatur auszufüllen", sagt die Wissenschaftlerin. Deshalb
werden Geräte bevorzugt, die im Mundvorhof gelagert sind. Ebenso
erfordern biomechanische Behandlungsaufgaben solche Geräte, die
funktionell gestörte Kinder möglichst wenig oder nur kurzzeitig
belasten.
"Sich verändernd und regulierend in den noch
langjährigen Wachstumsprozess eines Kindes einzuschalten, heißt, dieser
Entwicklung zu einem optimalen Verlauf zu verhelfen".
Frühbehandlung
stellt deshalb hohe Anforderungen an das kieferorthopädische Können,
bei dem die medizinischen Hintergründe die Zusammenarbeit mit
medizinischen und nicht medizinischen Fachvertretern erfordern.
Fortbildungsnachmittage mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten
Um die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten und
Kieferorthopäden mit Sprachtherapeuten bzw. Logopäden zu vertiefen,
initiierte die Dr. Hinz Dental Vertriebsgesellschaft (Herne) besondere
Fortbildungsnachmittage mit kompetenten Referenten: Ulrike Hörstel
(Logopädin und Myofunktionstherapeutin, AK-MFT e. V.), Prof. Dr. Rolf
Hinz (Kieferorthopäde), Ulrike Kopp (Akademische Sprachtherapeutin und
approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin) und Nils Hulsink
(Myofunctional Research Europe).
Während in Gräfelfing (Landkreis
München, 25.02.) und Nürnberg (26.02.) die Logopädie in der
Zahnheilkunde im Mittelpunkt steht, liegt der interdisziplinäre
Schwerpunkt in Hamburg (27.05.) auf der Früherkennung und Behandlung
orofazialer Dysfunktionen und fokussiert sich der englischsprachige
Referent in Herne (28.04.) auf Orofaziale Dysfunktionen und ihre
Behandlung mit myofunktionellen Geräten.
Zur Gestaltung dieser
kompakten Fortbildungsnachmittage gehört u. a. auch die Vorstellung
konfektionierter Geräte wie z. B. der Infant Trainer und der Position
Trainer. "Erfahrungen in logopädischen Praxen zeigen, dass bereits nach
einer sechswöchigen Therapie Verbesserungen sichtbar und messbar sind",
weiß Ulrike Hörstel. Der Position Trainer ist ein konfektioniertes
funktionskieferorthopädisches Gerät mit multifunktioneller Wirkung
sowohl in der Zahnheilkunde als auch in der myofunktionellen Therapie.
Beide wurden für das frühzeitige Ausschalten von Habits und orofazialen
Dysfunktionen entwickelt sowie für das Trainieren der
funktional-regulären Zungenposition in der Ruhelage und während des
Schluckens.
Quelle: Dr. Hinz Unternehmen