6. Wirbelverschiebungen bei der Geburt: Entwicklungsverzögerer und CMD-Risikofaktor
KISS, hinter dem Begriff verbergen sich "Kopfgelenk-induzierte Symmetriestörungen", auch als TAS, Tonusasymmetrie-Syndrom, benannt. Bei diesen Kindern liegt direkt nach der Geburt eine funktionelle Störung im Bereich der Kopfgelenke vor. Daraus resultiert eine asymmetrische Körperhaltung. Sie liegen wie ein "C" zu einer Seite oder nach hinten, was wiederum Beschwerden macht (Schreikinder, Fieber, Dreimonatskoliken, Schluck- und Stillprobleme, hohe Sensibiliät im Nacken etc.). "In dieser Phase kann man manualtherapeutisch gut und schnell sehr erfolgreich behandeln.", betont die spezialisierte Physiotherapeutin Gisa Zech (Lübeck). Erfolgt keine Therapie, ist häufig der natürlicherweise ablaufende neuromotorische Aufrichtungsprozeß gestört. "Da hier ein Schritt auf dem vorherigen aufbaut, läuft die gesamte Entwicklung nicht regelrecht ab, das Kind behält alte Muster zurück und ist asymmetrisch, entwickelt sich deutlich langsamer", unterstreicht der Päpki-Therapeut Andreas Pohl aus Bremen. Ein scheinbar beschwerdefreies Intervall zwischen Ende des ersten Lebensjahres bis zum 5./6. Lebensjahr verschleiert oft die Problematik, wenn die Kinder als KIDD-Kinder nun mit Bewegungsstörungen im Bereich der Feinmotorik und des Gleichgewichts und im Bereich der Sinneswahrnehmung auffällig werden. "Hier gestaltet sich die Behandlung deutlich anspruchsvoller, weil die Störungen bereits eine andere Ebene erreicht haben und auch im sozialen Umfeld ihre Spuren hinterlassen haben.", beschreiben Zech und Pohl. "Einige KISS- bzw. KIDD-Kinder, schaffen die Kompensation der Probleme nicht allein, sondern fallen später als schwer zu therapierende CMD-Patienten auf, bei denen Störungen im neuromotorischen Aufrichtungsprozeß nachhaltige Folgen auf Körperstatik und Biss hatten.", so Köneke und ergänzt: "Wenn wir hier nicht fachübergreifend arbeiten, bewegt sich nichts."
7. MKG-Chirurgie: Besser durchatmen dank Verlagerungs-OP und Botox als Hilfe bei exzessivem Muskelmissbrauch
Trotz Schienentherapie, Physiotherapie, dentaler Methoden und Osteopathen wird der Anteil der Patienten, der nicht auf die konservative Therapie mit orofazialer Muskelentspannung und entsprechender Schmerzreduktion reagiert mit 20 Prozent angegeben. "Für diese Patienten nach vorangegangener konservativer Therapie scheint die sehr gezielte Anwendung von Botulinumtoxin eine Alternative zu erhöhten peripheren Analgetikazufuhr bzw. zur Gabe zentraler Analgetika.", so Dr. Dr. Horst E. Umstadt, Ludwigshafen. Unter genauer Kenntnis der Anatomie und streng innerhalb der Faszien demonstrierte er sehr gute Erfolge aus seiner jahrelangen Erfahrung. Im Gegensatz zu vielen Kollegen führt Umstadt regelmäßig auch Dysgnathieoperationen bei CMD-Patienten durch, allerdings nach sehr eingehender Diagnostik. Das erfordert Umdenken und neue Konzepte, die prophylaktisch auch bei "normalen Patienten" greifen. Bei der Frage, in welchem Kiefer die Verlagerung stattfinden soll, zählen auch die Ergebnisse aus dem Schlaflabor. "Oft liegt es an uns, ob wir den Patienten mit unserer OP-Entscheidung die posterior airways freimachen oder einengen.", so Umstadt.
8. Schlafmediziner warnt: - Achtung bei Schienenpatienten mit Schlafapnoe
- Knirschen bei Kindern ist normal, Schnarchen nicht
"Ich habe auch eine Knirscherschiene." Dieser oft gehörte Satz sollte nach den Erkenntnissen der Schlafmedizin mit folgender Gegenfrage beantwortet werden: "Schnarchst Du?" "Grund sind Ergebnisse, wonach gerade Patienten mit einer Schlafapnoe (Atemaussetzer >10 ms) durch die entspannte nächtliche Retralverlagerung der Mandibula durch eine monomaxillären Schiene deutlich weniger Sauerstoff bekommen. Anamnese und Diagnostik mit dem Schlaflabor sollten darauf abgestimmt sein.", so der Somnologe Prof. Martin Konermann (Kassel). Bimaxilläre Schienen, wie sie auch zur Schnarchtherapie verwendet werden, kommen hier als nächtliche Variante der CMD-Schienen zum Einsatz. Umgekehrt kann eine CMD auch Schlafstörungen auslösen, insbesondere über eine Schienentherapie. Eines betonte Konermann noch im Hinblick auf die Kinder: "Kinder knirschen oft nachts. Das ist in einer gewissen Phase durchaus physiologisch. Aber Kinder schnarchen nicht. Dem sollte man auf den Grund gehen."
9. Ernährung beeinflusst CMDEine große Gruppe der CMD-Symptome geht auf muskuläre Probleme zurück, die über die Feinheiten des Muskelstoffwechsels direkt mit der Ernährung in Verbindung stehen. Eine genaue Aufstellung zur Analyse der einzelnen Grundnahrungsmittel und deren Wertigkeit lieferte die Sportmedizinerin Dr. Ursula Mühlenbrock. Sie räumte zudem mit einem Vorurteil auf: "Während einer Belastungssituation kann es weniger durch Magnesiummangel sondern vielmehr durch Natriummangel zu krampfartigen Zuständen im Muskelgewebe kommen." Vielfach unterschätzt werde auch die Bedeutung des Säure-Basen-Haushaltes, für den z.B. Mineralstoffe wichtig sind. Nach einem aufschlussreichen Vortrag über die Wirkungen der einzelnen Abbauprodukte von Softgetränken in der "light"-Version war jedem Teilnehmer klar, warum diese nicht zur Diät und zur gesunden Ernährung geeignet sind. Einige Abbauprodukte stehen in dem Ruf unter bestimmten Vorraussetzungen CMD-ähnliche Symptome wie Tinnitus und Schwindel bzw. Kopfscherzen zu erzeugen.
10. Moderne Kieferorthopädie hilft CMD verhindern bzw. therapierenKieferorthopädie, das heißt Weichen stellen für die Zukunft. Gut, wenn man die Richtung abschätzen kann und per Strukturanalyse eventuelle Probleme im Hinblick auf CMD umgehen kann. Kieferorthopädie ist aber auch gefragt, wenn es nach abgeschlossener Schienentherapie zur einer Aufhebung der bisherigen Occlusion gekommen ist. Mit vom Kieferorthopäden Dr. Andreas Köneke (Kiel, Föhr, Bremen) vorgestellten modernen Konzepten kann auf diesem Wege eine Neueinstellung vorgenommen werden, ohne die Integrität der Zähne zu verletzen und auf Kronen, Brücken oder Overlays zurückzugreifen. Köneke stellte zudem bimaxilläre Schienenkonzepte aus dem kieferorthopädischen Bereich vor. Sie bieten zum einen anders als die monomaxillären Alternativen die nächtliche Entlastung der bilaminären Zone, zum anderen verhindern sie die gefährliche Retralverlagerung der Mandibula bei Patienten mit Schlafapnoe.
Dr. Christian Köneke
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