Worauf es bei Prophylaxe ankommt, machte Schulleiter Manfred
Streich, Cauer-Grundschule/Berlin, schon in den ersten Minuten der
Veranstaltung zur Verleihung des Prophylaxepreises 2009 des Zahnärztlichen
Dienstes Charlottenburg-Wilmersdorf deutlich: Da ist erstens die Motivation.
„Hier sitzen nur Sieger!“ rief er den 118 Kindern zu, die am 13.1.2010 zur
Preisverleihung in den Festsaal der Schule eingeladen waren. Und da ist
zweitens die Nachhaltigkeit: Wenn es nach ihm ginge, meinte der Schulleiter, müsste
es jährlich den Prophylaxepreis geben – nun, wo die Kinder so schön erfolgreich
mitgemacht haben.
Schulen wie die Cauer-Grundschule – die Kinder hatten im
vergangenen Jahr den zweitschlechtesten DMFT-Wert im Bezirk - brauchen oft
einen äußeren Anlass, um etwas auf den Weg zu bringen. Hier war es der
Prophylaxepreis des bezirklichen zahnärztlichen Dienstes in Zusammenarbeit mit
der Zahnärztekammer Berlin und der LAG. Rund 35 % der Schulkinder haben im
Rahmen des Projektes im vorgeschriebenen Zeitraum einen Termin bei einem
Zahnarzt zur Prophylaxe (IP 1 – 4) und/oder zur Sanierung wahrgenommen und
anschließend den abgestempelten „Pass“ in der Schule abgegeben. Für viele
Kinder war das der erste Zahnarztpraxis-Kontakt seit langen, bei vermutlich
jedem zweiten Kind der erste Untersuchungstermin beim Zahnarzt überhaupt. Dass
es bei der kleinen Abschluss-Feier für jedes Kind, das in der Praxis war, ein
kleines (gespendetes) Geschenk aus der Lostrommel gab, gab dem Projekt noch
einen zusätzlichen Reiz. Die Klasse mit der prozentual höchsten Beteiligung
(hier machten zwei Drittel aller Schüler mit) wird im Frühling im Berliner
Tierpark auch hinter die Kulissen schauen dürfen. Das ist Punkt drei der
wichtigen Aspekte für eine erfolgreiche Prophylaxe: eine altersgerechte
Belohnung.
"Hallo Papa!"
Viel Spaß hatten auch Dr. Wolfgang Schmiedel, Präsident der
Zahnärztekammer Berlin, der ebenfalls Gewinner-Preise ausgab, und die Schar der
Kinder auf den Bänken. Er habe fünf Kinder, meinte Dr. Schmiedel, was mit Applaus
und fröhlichen ‚Hallo Papa’-Rufen bedacht wurde. Und er wolle nun von den
Kindern im Saal wissen, was er wohl seine Kinder morgens nach dem Frühstück
frage. Nach kurzem Nachdenken war zu hören: „Hast Du Zähne geputzt?“ Ein großes
erstauntes „Uuh“ erntete Dr. Schmiedel, als er vorzählte, wie viele
Kinder-Zähnchen bei dieser Feier gerade mit dabei waren: „Das sind sicher
2500!“ Es sei gut, wenn alle gesund bleiben, meinte Dr. Schmiedel: „Wir
Zahnärzte wollen doch gar nicht Löcher bohren – unsere größte Freude ist, wenn
eure Zähne gesund bleiben!“
Auch ohne Eltern beim Zahnarzt
Besonderes Lob verdiene der Einsatz der Kinder auch deshalb,
weil einige von ihnen nicht von einem Elternteil zu ihrem Zahnarztbesuch
begleitet worden waren, sondern sich allein auf den Weg machten, wie ZÄ Inis
Adloff (Zahnärztlicher Dienst), die die Veranstaltung leitete, am Rande
berichtete. Es sei etwas mühsam, beispielsweise Eltern mit
Migrationshintergrund und ohne Deutschkenntnisse zu erreichen: „Da nützt kein
Hinweiszettel in Deutsch – und es gibt ja nichts in Arabisch, was wir nutzen
könnten. Da ist der Weg über die Schule und die Kinder oft der direktere.“ Im
nächsten Jahr wird es vermutlich eine weitere Aktion an einer anderen Schule
geben. Was den Wunsch des Schulleiters nach Wiederholung an der eigenen Schule
betrifft, ist dies der vierte wichtige Aspekt der Prophylaxe: Nachhaltigkeit
funktioniert nur mit ausreichend Eigeninitiative.
Quelle: ZÄK Berlin