In Zeiten, in denen sich Patienten kritischer mit ihrer
Gesundheit auseinandersetzen, steigt die Nachfrage nach biologischen
Therapiemethoden, weil diese individueller und schonender auf ihre Bedürfnisse
zugeschnitten sind. Die Systemische Kieferorthopädie (SKFO) basiert auf der
Grundlage, dass Zähne, Mund und Kiefer anatomisch-funktionell, d.h. auch
neurophysiologisch mit anderen Organsystemen vernetzt sind. Die Tatsache, dass
hier verschiedenste Wechselwirkungen auftreten, verlangt nach neuen,
effektiveren Therapiekombinationen.
„Ganzheitlich orientiert heißt auch, andere Methoden und
Begleittherapien wie die Osteopathie, Homöopathie, Logopädie oder etwa die
Physiotherapie zum Nutzen des Patienten einzubeziehen“, sagt Dr. Hubertus von
Treuenfels (Praxis- und Dozententätigkeit für Kieferorthopädie). Dabei stehe
nicht nur die mechanische Zahnregulierung im Fokus, sondern die Regulation
sensomotorischer und psychomentaler Vorgänge der Mundfunktionen. „Der Patient
soll nicht nur gut aussehen, sondern auch optimal abbeißen, kauen, schlucken,
atmen und sprechen können. Das kann allerdings nur erreicht werden, wenn ein
ganzheitlicher Therapieansatz verfolgt wird, wie in der Systemischen
Kieferorthopädie. Sie ist Teil der modernen Komplementärmedizin. Sie will nicht
nur formen, sondern auch funktionalisieren, Optionen statt Schablonen, schonen
statt schaden und integrieren statt extrahieren“, so von Treuenfels.
Die SKFO nutzt und unterstützt die Ressourcen der
Selbstorganisation und Selbstheilung des Organismus. „Irrtümlicherweise wird
der SKFO eine ausschließliche Behandlung mit herausnehmbaren und / oder
funktionskieferorthopädischen Geräten, wie z.B. dem Bionator, unterstellt. Die
mechanischen, auch festsitzenden Apparaturen sind aber übliche, ebenbürtige und
komplementäre Bestandteile ihres Behandlungsspektrums. Die Wahl der
Behandlungsmittel hängt ganz von den individuellen Erfordernissen des Patienten
ab“, erklärt von Treuenfels.
Bei komplizierten orthodontischen Aufgaben, wie bestimmten
Derotierungen oder Torque-Bewegungen, seien Geräte wie beispielsweise Crozat
mit Einzelbrackets oder eher noch Brackets mit Bögen zu bevorzugen. Aber bei
schlaffen Haltungstypen mit offener Mundstellung, Mundatmung, hypotonen Lippen,
Rückbiss und Rundrücken sollte in erster Linie die Funktionskieferorthopädie
zum Zuge kommen. Dem Rückbiss und den damit verbundenen Funktionsschwächen mit
einem aktiven Vorschieben des Unterkiefers (wie z.B. mit einem
Herbst-Scharnier) zu begegnen, könne nicht das Mittel der Wahl sein, so von
Treuenfels. „Orthopäden, Osteopathen und Physiotherapeuten sind sich einig,
dass Passivität nicht ausreichend und angemessen ist, eine Haltungsschwäche
beim Patienten zu überwinden. Funktion fördert Stabilität, Mechanik, Labilität
gegenüber Rezidiven. “ Derartige Schieflagen der Aufgabenverteilung müssten
mehr zugunsten der Funktion und weniger über die Mechanik korrigiert werden.
Sein Fachwissen zur Systemischen Kieferorthopädie gibt von
Treuenfels während eines aus fünf Blöcken bestehenden Curriculums weiter, das
am 12. März 2010 startet. Veranstalter ist die Netz-Werk-Medizin Gesellschaft
mbH aus Herne. Block I, am 12. und 13. März 2010, umfasst den Themenbereich
Grundlagen, wie etwa universelle Heilprinzipien und Herleitung der SKFO. Die
Diagnostik mit der Anamnese, Befunderhebung und Bewertung der Grundfunktionen
im Hinblick auf ihre physio- und psychologische sowie mentale Bedeutung für die
Mundfunktionen ist ein weiterer Schwerpunkt. Der Bereich Therapie rundet den I.
Block ab. Hier werden Ziele, Möglichkeiten und Grenzen der BIONATOR-Methode
erörtert, Indikation und Konstruktion der Gerätetypen (Bionator I, II und III)
sowie ihre apparative Handhabung thematisiert. Andere Funktions-Geräte und
komplementäre Mechanik-Techniken (u.a. Multibracket) werden ebenfalls
vorgestellt.
Weitere Informationen unter www.netz-werk-medizin.de