Wenn Ärzte ein Medikament verschreiben, kommt es häufig zu
Fehlern, die Gesundheit und Wohlbefinden des Patienten beeinträchtigen können.
Ein Großteil dieser Fehler könnte vermieden werden, berichten Forscher vom
Weill Cornell Medical College
in der Zeitschrift "Journal of General Internal Medicine". Ein
Umstieg auf computergestützte Formen der Verschreibung reduziert Fehler bei
niedergelassenen Medizinern demnach um das Siebenfache. Auch in Spitälern
herrscht hier Handlungsbedarf, wie deutsche Experten berichten.
Flüchtigkeit und Unleserlichkeit als Problem
Die US-Forscher um Rainu Kaushal beobachteten zwei Jahre lang alle Fehler in
der Medikamentenverschreibung von 30 Ärzten in Ambulatorien und
Privatordinationen. Berücksichtigt wurden dabei Verordnungen ohne Mengenangabe,
fehlende Berücksichtigung von bekannten Allergien auf verschriebene aktive
Wirkstoffe bis hin zu von Medikamenten ausgelösten Gesundheitsschäden. Der
Anteil der Verschreibungsfehler bewegte sich um 40 Prozent. "Sie kommen
weit häufiger vor als man bisher angenommen hat", berichtet Kaushal.
Während ein Teil der beobachteten Ärzte über die herkömmliche Papierform
verschrieb, stieg der Rest zu Beginn auf ein kommerzielles Computersystem um.
Dieses lieferte klinische Entscheidungshilfen wie Dosisempfehlungen, Testfragen
für Medikamentenallergien sowie Warnungen für Wechselwirkungen zwischen
Medikamenten und vor eventuellen parallelen, doppelten Therapien. In einem Jahr
fiel die Zahl der Fehlverschreibungen in dieser Gruppe von 42,5 auf 6,6
Prozent. Eine deutliche Verbesserung wurde somit erreicht - unter anderem gab
es auch keine Probleme mehr mit unleserlicher Handschrift.
Spitäler brauchen bessere Programme
Dass Verschreibungsfehler auch im Spitalsbereich häufig sind, betont Reimer
Riessen, Internist am Uniklinikum Tübingen, im pressetext-Interview. "Im Spitalswesen fließt bei Erhebung,
Dokumentation und Weitergabe der Patientendaten ständig Information, wobei es
zu Fehlern kommt. Im Bereich von Medikamentenverordnungen sind das etwa nicht
angepasste Dosierungen wie bei einer Nierenfunktionsstörung oder die Verzögerung
des Abbaus eines Medikaments durch ein anderes. Auch Unleserlichkeit der
Eintragungen wird häufig zum Problem", so der Experte.
Auf der Tübinger Intensivstation konnten diese Situation durch elektronische
Krankenakte deutlich verbessert werden. Ganz unproblematisch sei die Einführung
jedoch nicht. "Es gibt noch kein ideales Computersystem, das nach dem Kauf
sofort funktioniert und dabei alle gewünschten Arbeitsschritte umfasst. Die
nötige individuelle Anpassung an die Anforderungen erfordert noch immer eine
große IT-Abteilung", betont Riessen. Wünschenswert für die
Patientensicherheit wäre ein kräftiger Entwicklungsschub für entsprechende
Programme durch öffentliche Förderungen.