Die Ergebnisse der letzten Zahnstatuserhebung der Gesundheit
Österreich GmbH (GÖG)/Österreichisches Bundesinstituts für Gesundheitswesen
(ÖBIG) bei 18-Jährigen im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG)
zeigen insgesamt eine sehr erfreuliche Entwicklung. Innerhalb der letzten zehn
Jahre gelang es, die Kariesmorbidität sowie Kariesprävalenz bei
Achtzehnjährigen deutlich zu senken. Gesundheitsförderung und Prävention –
insbesondere auch die Kariesprophylaxe – stellen im Jugendalter eine besondere
Herausforderung dar. Das Engagement von Österreichs SchulärztInnen kann hier im
Umfeld Schule einen wichtigen Beitrag leisten.
Große Fortschritte: Zahnstatusbericht der 18-Jährigen,
Erhebung 2008/2009
Das WHO-Hauptziel gibt für 18-Jährige vor, noch keinen Zahn
durch Karies verloren zu haben (MT=0). Wiesen im Untersuchungsjahr 1998 nur 63%
ein vollständiges Gebiss auf, sind es 2008 bereits 97%. Innerhalb der letzten
zehn Jahre gelang es auch die Kariesmorbidität sowie Kariesprävalenz bei
Achtzehnjährigen deutlich zu senken. Der Anteil an Jugendlichen mit
Karieserfahrung fiel um neun Prozentpunkte (von 84 % auf 75 %) und der
Kariesbefall reduzierte sich um 38 Prozent (von 5,5 D3MFT auf 3,6 D3MFT). Der
Anteil der kariesfreien 18-Jährigen stieg damit auf 25%. Der Übergang ins
Erwachsenenalter stellt jedoch generell auch im Bereich der Zahngesundheit eine
„problematische“ Zeit dar: Immer noch kommen zwischen dem 12. und dem 18.
Lebensjahr pro Jahr 0,6 kariöse Zahnflächen hinzu. Zudem darf die positive
Entwicklung nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Schere zwischen
zahngesunden und kariesgeschädigten Kindern und Jugendlichen immer weiter
öffnet. Die Ergebnisse der Zahnstatuserhebung zeigen, dass diese Polarisierung
in der Kariesverteilung von der sozialen Lage abhängig ist. Rund die Hälfte der
Kariesschäden findet sich bei einem knappen Viertel der erhobenen Jugendlichen.
Sozial Benachteiligte haben in der Regel eine schlechtere Zahngesundheit und
weisen einen höheren Sanierungsbedarf auf.
Standards für die Gruppenprophylaxe in Österreich –
Jugendliche als Herausforderung
„Durch österreichweite zunehmend flächendeckende Maßnahmen
der Gruppenprophylaxe in Kindergärten und Volksschulen konnte in den letzten
Jahren viel erreicht werden.“ so Hon. Prof. Dr. Robert Schlögel, Sektionschef
der Sektion II des Bundesministeriums für Gesundheit. „Im Hinblick auf das
bleibende Gebiss sind die Kinder und Jugendlichen NACH der Volksschule jedoch
ebenso eine wichtige Zielgruppe“. Der Oberste Sanitätsrat definiert diese in
seinen Empfehlungen für die orale Gruppenprophylaxe als „aufgrund des Alters
schwierig zu betreuen“. Neue Konzepte der Inhaltsvermittlung und Motivation
seien nötig. Diesem Anspruch wird das Material der Gesellschaft der Schulärztinnen
und Schulärzte Österreichs gerecht. Prof. Schlögel: „Die Gestaltung eines
Jugendmagazins entspricht dem Alter der Zielgruppe. Die lockere Vermittlung der
Inhalte kann den Unterhaltungsaspekt der Aufklärung deutlich erhöhen. Wir
freuen uns, dass die Berufsgruppe der SchulärztInnen sich aktiv in die
Gesundheitsbildung einbringt“. Auch der Oberste Sanitätsrat, Kommission
Zahnmedizin, Prophylaxe, empfiehlt in seinen Ausführungen zur Gruppenprophylaxe
die Kooperation mit SchulärztInnen, die im Setting Schule wichtige
Ansprechpersonen für die SchülerInnen sind.
(Zahn)gesunde Ernährung als wesentlicher Bestandteil der
Prophylaxe
Gesunde Zähne brauchen ausgewogene Ernährung und richtige
Mundhygiene.
Speziell bei Teenagern geht wirkungsvolle Kariesprophylaxe
mit Ernährungsfragen einher. Laut Österreichischem Ernährungsbericht nehmen
Kinder und Jugendliche vor allem zuviel Fett und Zucker zu sich. Chips und
Süßigkeiten sowie Limonaden und Fertiggerichte mit einem hohen Anteil an
„verstecktem“ Zucker erfreuen sich bei Jugendlichen großer Beliebtheit. „Genau
diese Ernährungsbestandteile sind auch für die Zähne besonders schädlich.
Speziell die Ernährung tagsüber, d.h. im Rahmen des Schulalltags hat auf die
Zahngesundheit wesentliche Auswirkungen. Es ist daher wichtig, Jugendliche im
Umfeld Schule auf die Bedeutung einer zahngesunden Ernährung aufmerksam zu
machen“ so Prof. Schlögel.
Pubertät als Risikozeit – Jugend als Chance
Zähne putzen ist ein Ritual, das man im Kindesalter erlernt
und danach selbständig weiterführt. Der Übergang ins Jugendalter ist jedoch ein
kritischer Punkt in der Entwicklung persönlicher Gewohnheiten. Jugendliche sind
weniger zu Hause, ändern ihr Ernährungsverhalten, kümmern sich selbständig um
die Mundhygiene und der Einfluss der Eltern nimmt insgesamt deutlich ab. Es
gilt, kariesfreie Jugendliche zu motivieren, die guten Gewohnheiten
eigenverantwortlich fortzusetzen. Im Rahmen des Unterrichts sollten sich
Jugendliche in einem selbstbestimmten Alter nochmals ganz bewusst mit den relevanten
Fragen auseinander setzen und eigenständige Motivation entwickeln. Auch für
Jugendliche, die die Gewohnheiten zur richtigen Mundhygiene im Elternhaus und
im Rahmen der Volksschulzeit nicht ausreichend etablieren konnten, ist jetzt
noch ein Umdenken möglich: „Im Jugendalter ergibt sich für jeden noch die
Chance, selbst Verantwortung zu übernehmen und durch eine Einstellungsänderung
den Zustand der Zähne im Erwachsenenalter positiv zu beeinflussen. Wir freuen
uns, dass sich die Gesellschaft der Schulärztinnen und Schulärzte Österreichs
dieser kritischen Zeitspanne annimmt.“
WHO-Ziele
Karies ist noch immer die am weitesten verbreitete
Zivilisationskrankheit, obwohl heute wirksame Prophylaxemaßnahmen zur Verfügung
stehen. Die WHO legte aus diesem Grund hinsichtlich der oralen Gesundheit der
Bevölkerung bis zum Jahr 2020 folgende Hauptziele für Kinder und Jugendliche
fest:
Kariesfreiheit bei mindestens 80 Prozent der 6-jährigen
Kinder.
Der DMFT-Wert (= die durchschnittliche Anzahl kariöser,
fehlender oder sanierter Zähne im bleibenden Gebiss) sollte bei den 12-jährigen
Kindern nicht über 1,5 liegen.
Die 18-Jährigen sollten noch alle Zähne haben.
Die regelmäßige Durchführung repräsentativer
Zahnstatuserhebungen in Österreich durch das Österreichischen Bundesinstituts
für Gesundheitswesen (ÖBIG) ermöglicht zu sehen, inwieweit die Ziele der
WHO in Bezug auf die Zahngesundheit der Bevölkerung in Österreich erreicht
werden.
Der Zahnstatusbericht der 18-jährigen 2008/2009
(„Zahnstatus bei Achtzehnjährigen 1998 – 2008) ist ab Anfang März
erhältlich bei: Gesundheit Österreich, kontakt@goeg.at sowie unter www.goeg.at.
Hon. Prof. Dr. Robert Schlögel, Sektionschef der Sektion II
des Bundesministeriums für Gesundheit – Verbrauchergesundheit und
Gesundheitsprävention