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18.02.10
Aktueller Zahnstatusbericht der 18-jährigen
Jugendalter als Herausforderung für die Gruppenprophylaxe
Die Ergebnisse der letzten Zahnstatuserhebung der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG)/Österreichisches Bundesinstituts für Gesundheitswesen (ÖBIG) bei 18-Jährigen im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zeigen insgesamt eine sehr erfreuliche Entwicklung. Innerhalb der letzten zehn Jahre gelang es, die Kariesmorbidität sowie Kariesprävalenz bei Achtzehnjährigen deutlich zu senken. Gesundheitsförderung und Prävention – insbesondere auch die Kariesprophylaxe – stellen im Jugendalter eine besondere Herausforderung dar. Das Engagement von Österreichs SchulärztInnen kann hier im Umfeld Schule einen wichtigen Beitrag leisten.

Große Fortschritte: Zahnstatusbericht der 18-Jährigen, Erhebung 2008/2009

Das WHO-Hauptziel gibt für 18-Jährige vor, noch keinen Zahn durch Karies verloren zu haben (MT=0). Wiesen im Untersuchungsjahr 1998 nur 63% ein vollständiges Gebiss auf, sind es 2008 bereits 97%. Innerhalb der letzten zehn Jahre gelang es auch die Kariesmorbidität sowie Kariesprävalenz bei Achtzehnjährigen deutlich zu senken. Der Anteil an Jugendlichen mit Karieserfahrung fiel um neun Prozentpunkte (von 84 % auf 75 %) und der Kariesbefall reduzierte sich um 38 Prozent (von 5,5 D3MFT auf 3,6 D3MFT). Der Anteil der kariesfreien 18-Jährigen stieg damit auf 25%. Der Übergang ins Erwachsenenalter stellt jedoch generell auch im Bereich der Zahngesundheit eine „problematische“ Zeit dar: Immer noch kommen zwischen dem 12. und dem 18. Lebensjahr pro Jahr 0,6 kariöse Zahnflächen hinzu. Zudem darf die positive Entwicklung nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Schere zwischen zahngesunden und kariesgeschädigten Kindern und Jugendlichen immer weiter öffnet. Die Ergebnisse der Zahnstatuserhebung zeigen, dass diese Polarisierung in der Kariesverteilung von der sozialen Lage abhängig ist. Rund die Hälfte der Kariesschäden findet sich bei einem knappen Viertel der erhobenen Jugendlichen. Sozial Benachteiligte haben in der Regel eine schlechtere Zahngesundheit und weisen einen höheren Sanierungsbedarf auf.

Standards für die Gruppenprophylaxe in Österreich – Jugendliche als Herausforderung

„Durch österreichweite zunehmend flächendeckende Maßnahmen der Gruppenprophylaxe in Kindergärten und Volksschulen konnte in den letzten Jahren viel erreicht werden.“ so Hon. Prof. Dr. Robert Schlögel, Sektionschef der Sektion II des Bundesministeriums für Gesundheit. „Im Hinblick auf das bleibende Gebiss sind die Kinder und Jugendlichen NACH der Volksschule jedoch ebenso eine wichtige Zielgruppe“. Der Oberste Sanitätsrat definiert diese in seinen Empfehlungen für die orale Gruppenprophylaxe als „aufgrund des Alters schwierig zu betreuen“. Neue Konzepte der Inhaltsvermittlung und Motivation seien nötig. Diesem Anspruch wird das Material der Gesellschaft der Schulärztinnen und Schulärzte Österreichs gerecht. Prof. Schlögel: „Die Gestaltung eines Jugendmagazins entspricht dem Alter der Zielgruppe. Die lockere Vermittlung der Inhalte kann den Unterhaltungsaspekt der Aufklärung deutlich erhöhen. Wir freuen uns, dass die Berufsgruppe der SchulärztInnen sich aktiv in die Gesundheitsbildung einbringt“. Auch der Oberste Sanitätsrat, Kommission Zahnmedizin, Prophylaxe, empfiehlt in seinen Ausführungen zur Gruppenprophylaxe die Kooperation mit SchulärztInnen, die im Setting Schule wichtige Ansprechpersonen für die SchülerInnen sind.

(Zahn)gesunde Ernährung als wesentlicher Bestandteil der Prophylaxe

Gesunde Zähne brauchen ausgewogene Ernährung und richtige Mundhygiene.

Speziell bei Teenagern geht wirkungsvolle Kariesprophylaxe mit Ernährungsfragen einher. Laut Österreichischem Ernährungsbericht nehmen Kinder und Jugendliche vor allem zuviel Fett und Zucker zu sich. Chips und Süßigkeiten sowie Limonaden und Fertiggerichte mit einem hohen Anteil an „verstecktem“ Zucker erfreuen sich bei Jugendlichen großer Beliebtheit. „Genau diese Ernährungsbestandteile sind auch für die Zähne besonders schädlich. Speziell die Ernährung tagsüber, d.h. im Rahmen des Schulalltags hat auf die Zahngesundheit wesentliche Auswirkungen. Es ist daher wichtig, Jugendliche im Umfeld Schule auf die Bedeutung einer zahngesunden Ernährung aufmerksam zu machen“ so Prof. Schlögel.

Pubertät als Risikozeit – Jugend als Chance

Zähne putzen ist ein Ritual, das man im Kindesalter erlernt und danach selbständig weiterführt. Der Übergang ins Jugendalter ist jedoch ein kritischer Punkt in der Entwicklung persönlicher Gewohnheiten. Jugendliche sind weniger zu Hause, ändern ihr Ernährungsverhalten, kümmern sich selbständig um die Mundhygiene und der Einfluss der Eltern nimmt insgesamt deutlich ab. Es gilt, kariesfreie Jugendliche zu motivieren, die guten Gewohnheiten eigenverantwortlich fortzusetzen. Im Rahmen des Unterrichts sollten sich Jugendliche in einem selbstbestimmten Alter nochmals ganz bewusst mit den relevanten Fragen auseinander setzen und eigenständige Motivation entwickeln. Auch für Jugendliche, die die Gewohnheiten zur richtigen Mundhygiene im Elternhaus und im Rahmen der Volksschulzeit nicht ausreichend etablieren konnten, ist jetzt noch ein Umdenken möglich: „Im Jugendalter ergibt sich für jeden noch die Chance, selbst Verantwortung zu übernehmen und durch eine Einstellungsänderung den Zustand der Zähne im Erwachsenenalter positiv zu beeinflussen. Wir freuen uns, dass sich die Gesellschaft der Schulärztinnen und Schulärzte Österreichs dieser kritischen Zeitspanne annimmt.“

WHO-Ziele

Karies ist noch immer die am weitesten verbreitete Zivilisationskrankheit, obwohl heute wirksame Prophylaxemaßnahmen zur Verfügung stehen. Die WHO legte aus diesem Grund hinsichtlich der oralen Gesundheit der Bevölkerung bis zum Jahr 2020 folgende Hauptziele für Kinder und Jugendliche fest:

Kariesfreiheit bei mindestens 80 Prozent der 6-jährigen Kinder.

Der DMFT-Wert (= die durchschnittliche Anzahl kariöser, fehlender oder sanierter Zähne im bleibenden Gebiss) sollte bei den 12-jährigen Kindern nicht über 1,5 liegen.

Die 18-Jährigen sollten noch alle Zähne haben.

Die regelmäßige Durchführung repräsentativer Zahnstatuserhebungen in Österreich durch  das Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen (ÖBIG) ermöglicht  zu sehen, inwieweit die Ziele der WHO in Bezug auf die Zahngesundheit der Bevölkerung in Österreich erreicht werden.

Der  Zahnstatusbericht der 18-jährigen 2008/2009 („Zahnstatus bei Achtzehnjährigen 1998 – 2008) ist ab Anfang März  erhältlich bei: Gesundheit Österreich, kontakt@goeg.at sowie unter www.goeg.at.

Hon. Prof. Dr. Robert Schlögel, Sektionschef der Sektion II des Bundesministeriums für Gesundheit – Verbrauchergesundheit und Gesundheitsprävention

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