Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für
Polymerforschung erforschen derzeit genau solche Materialien. Dazu arbeiten sie
in der Studie EMBEK1 mit neun weiteren Forschungszentren und Industriepartnern
aus Spanien, Großbritannien, der Schweiz und Deutschland zusammen, unter
anderem auch mit der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität
Mainz. Die Studie ist auf drei Jahre angelegt und wird von der Europäischen
Union mit 2,9 Millionen Euro gefördert.
„Wir entwickeln eine Oberflächenbeschichtung für Implantate und
Medizinprodukte, auf der die Keimbesiedlung nicht oder nur schwer möglich ist“,
erklärt Dr. Renate Förch, Leiterin des Projekts und Wissenschaftlerin am
Max-Planck-Institut für Polymerforschung. Dabei müssen die Forscher zunächst
die biologischen Mechanismen der Anhaftung von Keimen auf Oberflächen
untersuchen und identifizieren, wie die Bakterien in der Lage sind, sich
genetisch so zu verändern, dass sie gegen bestimmte Medikamente oder
Materialien resistent sind. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem
problematischen Krankenhauskeim Staphylococcus aureus, der immer wieder neue
Resistenzen auf Antibiotika zeigt, und dem Pseudomonas aeroginosa, der
besonders bei Brandwunden zu schweren Infektion führen kann.
„Um die gewünschten Materialeigenschaften zu erzeugen, kommt bei uns die so
genannte Plasma-Beschichtung von Oberflächen zum Einsatz“, erklärt Renate
Förch. Das am MPI für Polymerforschung eingesetzte Verfahren beschichtet die
Oberfläche der Materialien mit bestimmten Kunststoffen (Polymeren), sodass sich
Keime nicht darauf anhaften können und eine Besiedlung und Vermehrung von
Keimen auf dem Implantat erschwert wird. Dabei müssen die Forscher jedoch auch
die Bioverträglichkeit der Beschichtung sowie die Lagerbeständigkeit und
Haltbarkeit des Beschichtungsmaterials berücksichtigen.
Um eine erste Zwischenbilanz der bisherigen Arbeiten zu ziehen, treffen sich
vom 27. bis 29. Januar 2010 fünfzig internationale Forscherinnen und Forscher
des Projekts im Schloß Waldhausen in Budenheim bei Mainz.
Professor Katharina Landfester, Direktorin am Max-Planck-Institut für
Polymerforschung und Leiterin der Abteilung Physikalische Chemie der Polymere,
in deren Forschungsgruppe das EMBEK1-Projekt angesiedelt ist, sieht in dieser
Studie zukunftsweisende Schritte hin zur Entwicklung verbesserter und
verträglicherer Implantate. „Viele Patienten werden davon profitieren und nach
Operationen weniger Probleme mit implantatbedingten Wundinfektionen und
Heilungsstörungen haben“, so Landfester.
Die Wissenschaftler sind zuversichtlich, dass in circa fünf Jahren ein klinisch
getesteter Prototyp des Materials vorliegen könnte.
Quelle: http://www.mpip-mainz.mpg.de