„Sehen macht einsichtig“: Mit diesem auf die Diagnostik abzielenden
Bild leitete Dr. Karl-Ludwig Ackermann als Tagungspräsident des „DGI
intensiv“-Symposiums Ende November 2009 in Mannheim den Aspekt „3D“ ein, einen
der spannenden vier ausführlichen Tagungs-Beiträge zu aktuellen
Entscheider-Fragen in der Implantologie, präsentiert von hochkarätigen
Referenten wie Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake, Prof. Dr. Peter Pospiech und
Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz. Mehr mit Blick aus der Praxis, aber nicht weniger
wissenschaftlich fundiert fesselte als vierter Referent Dr. Elmar
Frank/Besigheim, Zahnarzt mit enormer Expertise in digitalem Arbeiten, das
Auditorium mit einem physikalischen Grundkurs in verständlichen und höchst
eindrucksvollen Bildern. Das Konzept von Dr. Ackermann, Unterstützung zur
eigenen Positionierung als implantologisch tätiger Zahnarzt zu leisten, wurde
zu einer begeisternden Lehrstunde unter der Überschrift „Muss es wirklich 3D
sein?“. Dr. Frank räumte gleich zu Beginn seines einfallseichen Vortrags mit
möglicherweise falschen Erwartungen auf: „Patienten wollen minimalinvasive
Verfahren. Das bedeutet für Sie in der Praxis aber keineswegs minimale, sondern
im Gegenteil maximale Diagnostik zur Therapiesicherheit. Nur so sind Sie während
der Chirurgie perfekt aufgestellt.“ Seine Fragestellung „Muss es wirklich 3D
sein?“ beantwortete er kurzerhand selbst: „Das ist wie bei Radio Eriwan: Im
Prinzip Ja.“ Nach einem generellen Ja zu 3D schließe sich üblicherweise die
Frage an: welches Gerät? Dr. Frank: „All you can pay – was halt zu Ihnen
passt.“ Es gebe, übertrieben gesagt, wohl 4000 Systeme weltweit, und stündlich
würden es mehr. Ein bedeutsames Auswahlkriterium – im Gegensatz zu
Marketingdetails – sei das Bilderrauschen: Wenig hilfreich seien viele
Graustufen eines Gerätes, wichtiger dagegen, wie klar sie getrennt würden. Ziel
sei ein maximaler Kontrast bei minimaler Voxelgröße. Als kostenlose
Dienstleistung für seine interessierten Kollegen habe er auf der Website
www.p-s-t.net verschiedene DVT-Systeme nach
verschiedenen Kriterien miteinander verglichen und führe diese Liste auch
unregelmäßig fort.
2D – oder: Die Erde ist eine Scheibe
Zu der Frage, ob ein Röngtenbild nicht doch ausreiche,
verwies er auf eine real existierende Website eines Clubs von Anhängern der
These, die Erd sei eine Scheibe: „Der Patient ist aber doch ein mindestens
dreidimensionales Original“, so Dr. Frank, daher werde sich über kurz oder lang
auch ein Paradigmenwechsel hin zu 3D ergeben – zumal, wenn die Systeme
demnächst besser abgestimmte und leichter zu bedienende Software bieten. Zusätzliche
Daten und Informationen seien für die Diagnostik notwendig, da das Gehirn nicht
der zuverlässigste Partner bei der Datenerhebung sei: „Das Gehirn
diagnostiziert nicht alles, was wir sehen, sondern verknüpft vorhandene
Informationen und kann uns andere relevante Nachrichten vorenthalten.“
Manchmal frage er sich, warum nicht alle Zahnärzte längst
mit 3D arbeiten – was im Übrigen nicht bedeute, selber ein Gerät besitzen zu müssen:
Er selbst habe jedenfalls keines und überweise an eine entsprechende Praxis. Möglicherweise
seien die Investition und eher diffuse Kenntnisse rund um die Strahlenbelastung
Gründe für die Zurückhaltung. Insbesondere beim Implantieren brauche man aber „Marschroute
und Plan, den Punkt, wo der Bohrer aufsetzen muss, und den Winkel.“
„Vor Inbetriebnahme des DVT Hirn einschalten“
Für DVT-Anwender wichtig: das Arbeits-Fenster: „Es sollte
nicht zu groß gezogen sein – das könnte forensisch kritisch werden, denn man
muss alles diagnostizieren, was man sieht. Und fragen Sie sich ehrlich: Können
Sie einen Tumor im Hirn erkennen?“ Wer technikgläubig meine, ein DVT liefere
alle Daten und man selbst könne sich eher zurücklehnen, täusche sich enorm:
„Vor Inbetriebnahme des DVTs schalten Sie bitte das Hirn ein – es gibt viel
Nachzudenken, ehe man ein DVT macht.“ Er plädiere keineswegs für „immer DVT“,
es gebe aber Indikation wie Verdacht auf anatomische Variationen, Eingriff in
der Nähe gefährdeter Strukturen oder auch Restaurationen in ästhetisch
relevantem Bereichen, wo so viele Informationen wie möglich sinnvoll seien.
Blieb noch die Frage: Anschaffen oder nicht? Wer vor zwei Jahren bereits ein
DVT angeschafft habe, habe einen „Snobzuschlag“ bezahlt – es sei möglicherweise
zu früh gewesen: „Aber jetzt kann man es wagen.“
Das Thema 3D wird auch bei dem diesjährigen 24.
Jahreskongress der DGI, wie immer vor dem 1. Adventswochenende, diesmal in
Hamburg, eine Rolle spielen: „Es ist eine unserer Kernaufgaben als
wissenschaftliche Fachgesellschaft“, so DGI-Vorstandsmitglied Dr. Karl-Ludwig
Ackermann, „den Praktikern Entscheidungshilfe zu geben für die implantologische
Praxis. Das ist uns, wie wir hörten, in Mannheim beim Symposium großartig
gelungen – und jetzt sind wir gespannt auf unsere Jahrestagung in Hamburg und das
Thema ‚Misserfolge – erkennen und beherrschen’’. Dieses Thema ist bei einer
steigenden Anzahl gelegentlich implantierender Kollegen ebenso wichtig wie bei
den Vielimplantierern, und sicher spielt auch 3D-Diagnostik beim Thema
‚Misserfolge’ eine bedeutsame präventive Rolle.“
Quelle: www.dgi-ev.de