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14.02.10
DGI Intensiv in Mannheim
Maximale Diagnostik für minimalinvasive Verfahren
„Sehen macht einsichtig“: Mit diesem auf die Diagnostik abzielenden Bild leitete Dr. Karl-Ludwig Ackermann als Tagungspräsident des „DGI intensiv“-Symposiums Ende November 2009 in Mannheim den Aspekt „3D“ ein, einen der spannenden vier ausführlichen Tagungs-Beiträge zu aktuellen Entscheider-Fragen in der Implantologie, präsentiert von hochkarätigen Referenten wie Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake, Prof. Dr. Peter Pospiech und Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz. Mehr mit Blick aus der Praxis, aber nicht weniger wissenschaftlich fundiert fesselte als vierter Referent Dr. Elmar Frank/Besigheim, Zahnarzt mit enormer Expertise in digitalem Arbeiten, das Auditorium mit einem physikalischen Grundkurs in verständlichen und höchst eindrucksvollen Bildern. Das Konzept von Dr. Ackermann, Unterstützung zur eigenen Positionierung als implantologisch tätiger Zahnarzt zu leisten, wurde zu einer begeisternden Lehrstunde unter der Überschrift „Muss es wirklich 3D sein?“. Dr. Frank räumte gleich zu Beginn seines einfallseichen Vortrags mit möglicherweise falschen Erwartungen auf: „Patienten wollen minimalinvasive Verfahren. Das bedeutet für Sie in der Praxis aber keineswegs minimale, sondern im Gegenteil maximale Diagnostik zur Therapiesicherheit. Nur so sind Sie während der Chirurgie perfekt aufgestellt.“ Seine Fragestellung „Muss es wirklich 3D sein?“ beantwortete er kurzerhand selbst: „Das ist wie bei Radio Eriwan: Im Prinzip Ja.“ Nach einem generellen Ja zu 3D schließe sich üblicherweise die Frage an: welches Gerät? Dr. Frank: „All you can pay – was halt zu Ihnen passt.“ Es gebe, übertrieben gesagt, wohl 4000 Systeme weltweit, und stündlich würden es mehr. Ein bedeutsames Auswahlkriterium – im Gegensatz zu Marketingdetails – sei das Bilderrauschen: Wenig hilfreich seien viele Graustufen eines Gerätes, wichtiger dagegen, wie klar sie getrennt würden. Ziel sei ein maximaler Kontrast bei minimaler Voxelgröße. Als kostenlose Dienstleistung für seine interessierten Kollegen habe er auf der Website www.p-s-t.net verschiedene DVT-Systeme nach verschiedenen Kriterien miteinander verglichen und führe diese Liste auch unregelmäßig fort.

2D – oder: Die Erde ist eine Scheibe

Zu der Frage, ob ein Röngtenbild nicht doch ausreiche, verwies er auf eine real existierende Website eines Clubs von Anhängern der These, die Erd sei eine Scheibe: „Der Patient ist aber doch ein mindestens dreidimensionales Original“, so Dr. Frank, daher werde sich über kurz oder lang auch ein Paradigmenwechsel hin zu 3D ergeben – zumal, wenn die Systeme demnächst besser abgestimmte und leichter zu bedienende Software bieten. Zusätzliche Daten und Informationen seien für die Diagnostik notwendig, da das Gehirn nicht der zuverlässigste Partner bei der Datenerhebung sei: „Das Gehirn diagnostiziert nicht alles, was wir sehen, sondern verknüpft vorhandene Informationen und kann uns andere relevante Nachrichten vorenthalten.“

Manchmal frage er sich, warum nicht alle Zahnärzte längst mit 3D arbeiten – was im Übrigen nicht bedeute, selber ein Gerät besitzen zu müssen: Er selbst habe jedenfalls keines und überweise an eine entsprechende Praxis. Möglicherweise seien die Investition und eher diffuse Kenntnisse rund um die Strahlenbelastung Gründe für die Zurückhaltung. Insbesondere beim Implantieren brauche man aber „Marschroute und Plan, den Punkt, wo der Bohrer aufsetzen muss, und den Winkel.“

„Vor Inbetriebnahme des DVT Hirn einschalten“

Für DVT-Anwender wichtig: das Arbeits-Fenster: „Es sollte nicht zu groß gezogen sein – das könnte forensisch kritisch werden, denn man muss alles diagnostizieren, was man sieht. Und fragen Sie sich ehrlich: Können Sie einen Tumor im Hirn erkennen?“ Wer technikgläubig meine, ein DVT liefere alle Daten und man selbst könne sich eher zurücklehnen, täusche sich enorm: „Vor Inbetriebnahme des DVTs schalten Sie bitte das Hirn ein – es gibt viel Nachzudenken, ehe man ein DVT macht.“ Er plädiere keineswegs für „immer DVT“, es gebe aber Indikation wie Verdacht auf anatomische Variationen, Eingriff in der Nähe gefährdeter Strukturen oder auch Restaurationen in ästhetisch relevantem Bereichen, wo so viele Informationen wie möglich sinnvoll seien. Blieb noch die Frage: Anschaffen oder nicht? Wer vor zwei Jahren bereits ein DVT angeschafft habe, habe einen „Snobzuschlag“ bezahlt – es sei möglicherweise zu früh gewesen: „Aber jetzt kann man es wagen.“

Das Thema 3D wird auch bei dem diesjährigen 24. Jahreskongress der DGI, wie immer vor dem 1. Adventswochenende, diesmal in Hamburg, eine Rolle spielen: „Es ist eine unserer Kernaufgaben als wissenschaftliche Fachgesellschaft“, so DGI-Vorstandsmitglied Dr. Karl-Ludwig Ackermann, „den Praktikern Entscheidungshilfe zu geben für die implantologische Praxis. Das ist uns, wie wir hörten, in Mannheim beim Symposium großartig gelungen – und jetzt sind wir gespannt auf unsere Jahrestagung in Hamburg und das Thema ‚Misserfolge – erkennen und beherrschen’’. Dieses Thema ist bei einer steigenden Anzahl gelegentlich implantierender Kollegen ebenso wichtig wie bei den Vielimplantierern, und sicher spielt auch 3D-Diagnostik beim Thema ‚Misserfolge’ eine bedeutsame präventive Rolle.“

Quelle: www.dgi-ev.de

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