von Dr. Bernhard Drüke, Münster
Speichelsteine, so
genannte Sialolithen, sind pathogene Hartsubstanzgebilde, die in den großen Speicheldrüsen und ihren Ausführungsgängen vorkommen. Am häufigsten werden Speichelsteine im Ausführungsgangsystem der Glandula submandibularis beobachtet. In der Parotis werden dagegen mit etwa 10% der Fälle seltener entsprechende Konkremente festgestellt.
Zusammensetzung
Der Kern eines Speichelsteines besteht aus anorganischen Substanzen und zwar vorwiegend aus Kalziumphosphat und Kalziumkarbonat. Um das Zentrum herum sind häufig weitere organische und anorganische Stoffe in konzentrischen Schichten abgelagert.
Ursachen
Die Gründe für eine Steinbildung im Speicheldrüsensystem sind nicht eindeutig geklärt, jedoch gelten Gangverletzungen, Formanomalien des Gangsystems, Veränderungen der Schleimbildung und Elektrolytkonzentration infolge einer Dyschylie als auslösend.
Symptomatik
Die Sialolithiasis kann klinisch lange Zeit stumm und unauffällig sein. Komplikationen zeigen sich oft in rezidivierenden Schwellungen der Drüse, wenn der Speichelfluss durch Appetit und Nahrungsaufnahme stimuliert wird. Diese Schwellungen können schmerzlos verlaufen, aber auch mit kolikartigen Beschwerden einhergehen.
Bei lang anhaltender Gangverlegung durch Konkremente kann es zur
aszendierenden Infektion der Drüse kommen, verbunden mit schmerzhaften Schwellungen.
Diagnostik
Speichelsteine sind durch Palpation, Sondierung, Röntgenuntersuchungen, Sialographie und Sonographie nachweisbar. Bei entzündlicher Situation ist die Abgrenzung gegen einen odontogenen Prozess nicht immer einfach. Etwa die Hälfte aller Speichelsteine sind nicht röntgenopak und können daher entweder nur klinisch oder mit Hilfe der Sialographie nachgewiesen werden.
Auch sind Speichelsteine im OPG trotz vorhandener Röntgenopazität nicht immer eindeutig zu klassifizieren. Sie imponieren als Knochenverdichtung, Sklerosierung oder zahnähnliche Struktur etc. (Abb. 14 bis 16).
Therapie
Operative Entfernung unter weitgehender Gangerhaltung durch Längsschlitzung des Ganges und anschließender Rekonstruktion.
Fallbericht
Anamnese
Ein 47-jähriger Patient wurde mit einer unklaren Schwellung im vorderen Mundboden in der Praxis vorstellig. In der Anamnese gab der Patient an, dass die Veränderung seit einigen Monaten beobachtet wurde, wobei wesentliche Beschwerden nicht auftraten. Lediglich beim Essen habe der Bereich gelegentlich an Größe zugenommen und geringfügige Schluckbeeinträchtigungen verursacht.
Befund
Der Palpationsbefund bidigital zeigte im vorderen Mundboden links sublingual eine harte, bewegliche Veränderung etwa von der Größe einer Olive (Abb. 1 bis 2). Der Speichelfluss war stark reduziert und es ließ sich aus dem linken Ausführungsgang der Glandula submandibularis nur wenig Speichel exprimieren. Bei der Sondierung des Wharton-Ganges zeigte sich ein harter Widerstand im vorderen Bereich. Die dann gefertigte Mundbodenaufnahme zeigte die Sialolithen-Bildung im Gang der Glandula submandibularis (Abb. 3).
Therapie
Nach lokaler Infiltrationsanästhesie des Sublingualraumes wurde der Gang im Längsverlauf geschlitzt (Abb. 4). Nach vorsichtiger Erweiterung wurde der größte von mehreren Speichelsteinen dargestellt und konnte ohne große Schwierigkeiten entfernt werden (Abb. 5 bis 8).
Im hinteren Bereich des erheblich erweiterten Wharton-Ganges wurden weitere Steine gefunden und konnten über den Inzisionsbereich entfernt werden (Abb. 9 bis 11).
Zur Rekonstruktion des Ganges wurde eine Gangplastik durchgeführt und ein Silikonröhrchen mit resorbierbarem Nahtmaterial eingenäht, das 10 Tage in situ verblieb (Abb. 12 bis 13). Bei den Nachkontrollen zeigten sich reizlose Wundverhältnisse und beim Provokationstest ließ sich klarer Speichel exprimieren.
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Abb. 1
Der Sublingualbereich links zeigt im Seitenvergleich
eine Vergrößerung ohne Zeichen einer Entzündung.
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